Ver-rückte Vernunft

3. September 2014

Die »Speisung der Fünftausend« – eine der wenigen Jesus-Geschichten, die in allen vier Evangelien erzählt wird – beginnt mit einem hochinteressanten Dialog. Da treffen nämlich durchweg vernünftige Jünger auf einen völlig verrückten Jesus:

Als nun der Tag fast vorüber war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Es ist öde hier, und der Tag ist fast vorüber; lass’ sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich Brot kaufen. (Markus 6,35f.)

Mitdenkende Event-Manager!

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! (Markus 6,37a)

Äääh …

Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und für zweihundert Silbergroschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben? (Markus 6,37b)

… vielleicht reagiert er ja auf Ironie …

Er aber sprach zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Geht hin und seht! (Markus 6,38a)

… den Jüngern bleibt also nichts erspart …

Und als sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf und zwei Fische. (Markus 6,38b)

… aber sie ziehen es immerhin durch. Und dringen dann tief ein in ein göttliches Geheimnis: Was sie da mit müder Miene aufzählen, reicht. Ihre minimalen Möglichkeiten – die sie vor lauter Vernunft völlig aus dem Blick verloren hatten – sind genug, mit Gottes Hilfe. So geht himmlische Logik.

Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jünger, damit sie unter ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen. Und die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Mann. (Markus 6,41-44)

 

4 Kommentare zu “Ver-rückte Vernunft”

  1. Steffen meint:

    Kann es sein, dass es genau das ist, was uns als Kirche bremst: Vernunft?

  2. Daniel meint:

    Gut möglich …

  3. Steffen meint:

    Wir sind zwar verrückt genug, vom Glauben zu sprechen, doch fangen wir oft erst an, wenn eine gewisse Sicherheit für unsere Vorhaben da zu sein scheint.

  4. Steffen meint:

    …und mir fällt auf, dass sich viele von uns kaum trauen “verrückt” zu sein.
    Da bleibt man gerne in der Sicherheit des bürgerlichen Lebens. ..

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