Teurer Luxus – gut so!

2. Juli 2008

An eine gewisse Tendenz in den programmatischen Vorworten der ADAC-Mitgliederzeitschrift »motorwelt« habe ich inzwischen gewöhnt. Vielleicht war ich deswegen schon kurz davor, dem aktuellen Statement von Chefredakteur Michael Ramstetter uneingeschränkt zuzustimmen: Dass die immensen Benzinpreise vor allem Berufspendler in die Bredouille bringen, liegt auf der Hand. Hier könnte man in der Tat über Erleichterungen nachdenken.

…doch dann springen mir die übrigen Sätze ins Auge: Pauschal-Populismus im Bilderbuch-Stil. Da wird kurz und knapp der Staat als »Preistreiber« hingestellt – »60 Prozent des Literpreises gehen an den Staat!« (Eine schlichte Tatsache, deren Negativ-Wertung man erst mal begründen müsste…) Und alles hängt sich auf an der vernichtenden Beobachtung: »Das Auto ist in Deutschland auf dem Weg zum Luxusgut.«

…und genau das ist zu begrüßen, finde ich. Erst wenn Autofahren wieder spürbar was kostet, ist Schluss mit den unnötigen Fahrten zum Bäcker nebenan. Und auch die 100 Kilometer entfernte Disco wird dann vielleicht bewusst nur noch einmal pro Woche angefahren. Was ist daran so schlimm?! Diese Sicht der Dinge ist hoffentlich keine »Verteufelung der individuellen Mobilität« – zumal es ja auch Teilauto-Angebote, Bus und Bahn sowie das Fahrrad gibt.

Von dieser Einsicht her sollte man dann allerdings darüber nachdenken, gezielt diejenigen zu entlasten, die beruflich auf ihr Auto angewiesen sind. Den ADAC fände ich wesentlich glaubwürdiger, wenn er konsequent differenzieren und dadurch den Eindruck vermeiden würde, dass es ihm letztlich doch nur darum geht, allen Bleifüßen mehr Spaß zu gönnen.

Ach ja: Dass auch (und vorrangig!) das Fliegen entscheidend kostspieliger werden sollte, sei ausdrücklich auch erwähnt. Und warum die Bahn die derzeitige Situation nicht für kreative Werbe-Aktionen nutzt (»Lassen Sie uns Ihr Auto verschrotten – Sie bekommen die BahnCard 100« oder so…), begreife ich schlicht nicht.

 

5 Kommentare zu “Teurer Luxus – gut so!”

  1. Hufi meint:

    Da stimme ich dir grundsätzlich zu. Die Bahn verstehe ich da auch nicht…

    Wen die hohen Preise aber auch treffen, sind Leute auf dem Land, wo es zum Teil kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt (wenn dann überteuert und ungünstig). Vor allem Familien mit Kindern können auf dem Land nicht auf ein Auto verzichten…

    Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich in Erlangen kein Auto brauchen werde…

  2. Jona meint:

    Wir hatten das Thema ja schon mal angeschnitten.
    Ich bin auch einer ähnlichen Meinung, aber ich glaube darauf, dass der ADAC seine Meinung hier ändert, kannst du noch lange Warten.

    Gerade wenn man sieht wie viele Leute (in der Stadt) für Kurzstrecken das Auto nehmen, kann man es aus umweltpolitischer Sicht nur begrüßen, wenn der Spritpreis weiter steigt. (Autokorsi zählen für übrigens auch zu absolut überflüssigen Fahrten)

    Ansonsten könnte die Bahn sich wirklich mal was überlegen. Ich kenne genügend Leute, die die Bahn öfter nutzen würden, wenn die Preise etwas moderater wären.
    Und Bahnfahren kann wirklich schön sein, wie ich im Juni zur genüge erfahren (im wahrsten Sinne des Wortes :-) ) konnte.

  3. Daniel meint:

    …na – und ausgerechnet jetzt wurden neue Klimaschutz-Auflagen für die Fluggesellschaften beschlossen. Gut so!

  4. Daniel meint:

    Gestern habe ich getankt – und erst da festgestellt, dass die Benzinpreise wieder deutlich gesunken sind. Klar, dass darüber niemand berichtet hat…

  5. Daniel meint:

    …der Populismus geht weiter: In der aktuellen Ausgabe der ADAC-Zeitschrift wird die großangelegte Presse-Protest-Aktion “Runter mit dem Spritpreis” eingeleitet. Jeder darf seinem Ärger durch ein persönliches Bild Luft machen – unter benzinprotest@adac.de. Das kann heiter werden…

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