Sinn und Unsinn von D-Zügen

29. Juli 2009

Neulich, im Pfarrseminar: Ausführliche Predigtbesprechung. Eine Vikarin, drei Vikare, ein Studienleiter. Jede(r) ist mal an der Reihe. Sehr intensiv, mitunter auch innerlich anstrengend. Aber anschließend waren wir uns einig: »So was müsste man regelmäßig machen…«

Eine ganz kleine (rein methodische) Erkenntnis: D-Züge in Predigten können problematisch sein…und mitunter sind sie geradezu empfehlenswert.

Konkret:

Und auch wir dürfen wie einst die Jünger diese Worte hören, im Glauben annehmen und weitersagen. »Friede sei mit euch!« Und auch der Auftrag Jesu darf uns heute morgen gelten: »Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen.« Ein starker Zuspruch und Auftrag ist das: Frieden stiften, Sünden vergeben, Seelsorge üben, Versöhnung weitersagen und leben.

Ein Aufzählungs-D-Zug, der an keiner Station Halt macht. Was zu Verwirrung führen kann: Denn vielleicht bleibt ein Teil der Zuhörerschaft trotzdem irgendwo hängen (um dann den Anschluss zu verpassen). Und eventuell wäre es auch hilfreich, zu hören, wie man heute »Frieden stiften« oder »Seelsorge üben« soll.

In genau derselben Predigt hieß es einige Absätze zuvor:

Traurig, wenn unsere Welt nur aus dem bestünde, was man sehen, erklären und beweisen kann. eine Welt ohne Liebe, Freundschaft, Überraschung, Vergebung, Zwischenmenschlichkeit und Menschenwürde wäre das.

Wieder ein durchrauschender D-Zug. Und diesmal macht er Sinn, finde ich: Es geht hier gar nicht darum, »Liebe«, »Vergebung« konkret auszumalen. Entscheidend ist der positive (und negierte) Gesamteindruck, der sich sofort einstellt.

Nachträglich habe ich bei Peter Bukowski dieselbe Sicht der Dinge gefunden:

Was hier wirkt, ist mehr die durch die Form einer Aufzählung bewirkte Atmosphäre als der Inhalt der einzelnen Glieder. Dazu [...] ein Predigtbeispiel:

»Umweltprobleme, Naturkatastrophen, Krieg, Ausbeutung, Gewaltverbrechen … – man traut sich kaum noch, die Nachrichten einzuschalten.«

Als Darstellung von Wirklichkeit wäre diese Reihe schwach, sie tippt nur an und bleibt im Allgemeinen; aber sie ist hilfreich, um die Aussage des Nachsatzes "atmosphärisch" vorzubereiten und also plastischer werden zu lassen.

 

Ein Kommentar zu “Sinn und Unsinn von D-Zügen”

  1. Jennifertesk meint:

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