Schizophrene Sterbe-Sicht

8. Juli 2008

Wieder einmal wird heißt diskutiert – über die sogenannte aktive Sterbehilfe. Aktueller Anlass ist ein neuer Verein – gegründet von Roger Kusch, dem ehemaligen Hamburger Justizsenator –, dessen Ziele grundsätzlich an den Schweizer Verein »Dignitas« erinnern.

Es ist nur zu begrüßen, dass das politische Votum derzeit eindeutig ausfällt: Die aktive Sterbehilfe wird überwiegend entschieden abgelehnt. Ein entscheidendes Problem ist aus meiner Sicht praktischer Natur: Welcher 80jährige würde noch mit gutem Gewissen Unsummen in seine Pflege investieren, während die Kinder vielleicht Schwierigkeiten haben, die Ausbildung der Enkel zu finanzieren?! Es gilt, solche Eventualitäten schon im Voraus zu vermeiden.

Auf ein entscheidendes Problem weist allerdings das »Schwäbische Tagblatt« in der Ausgabe vom 5. Juli 2009 hin: In seiner Argumentation beruft sich Kusch u.a. auf Paragraph 218a des deutschen Strafgesetzbuches: Hier wird festgestellt, dass Tötung Abtreibung von ungeborenen Kindern zwar grundsätzlich strafbar ist, aber trotzdem unter bestimmten Umständen straffrei bleibt. (Eine paradox-einmalige Regelung, die zwei konkrete Gründe hat: Erstens könnten Ärzte und Krankenschwestern sonst verklagt werden, sobald sie Abtreibungen durchführen – bzw. man könnte umgekehrt nicht gegen Personen vorgehen, die die Durchführung der Eingriffe aktiv verhindern. Und zweitens dürften im Fall einer grundsätzlichen strafrechtlichen Verfolgung die Krankenkassen nix zahlen.)

Die Tötung im Rahmen der aktiven Sterbehilfe soll also ein fundamentales Problem darstellen, während man die Dinge in Sachen Abtreibung eher lässig sieht. Und so verwundert es nicht, dass 2007 mal wieder um die 115.000 Kinder abgetrieben getötet wurden (so zumindest die offizielle Auskunft des Statistischen Bundesamts). Gar nicht so leicht, bei dieser schizophrenen Sterbe-Sicht noch vernünftig zu argumentieren…

 

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