Kirche und Marketing…

11. April 2007

Simon hat gestern den ersten Teil einer kleinen Serie gebloggt: »Kirche und Marketing – eine spannungsvolle Geschichte«. Bin gespannt, was er schreibt – und fühle mich in Gedanken wieder nach Greifswald versetzt, in die Keimzelle des »Spirituellen Gemeindemanagements«…

Netterweise fand ich exakt am selben Tag zwei unerwartete Postsendungen in meinem Briefkasten. Beide passten…wie die Faust aufs Auge.

Nummer 1: Das erste Exemplar einer neuen Zeitschrift aus dem Betanien Verlag (wenn ich ehrlich bin – nie gehört…). Schon der Untertitel – »Das bibeltreue Büchermagazin« – stimmte mich skeptisch. (Was um alles in der Welt ist »bibeltreu«? Und wer entscheidet das?!) Der eigentliche Abschuss ist aber der Haupttitel…

Musste unwillkürlich an eine Passage aus Adrian Plass’ neuestem »Tagebuch« denken:

»Ging am Vormittag … die nächste christliche Buchhandlung suchen. Fand sie schließlich in einem kleinen Abzweig von der High Street. Komischer Name. Nennt sich »Die Frucht der Weintraube«. Gab mich so lässig wie möglich, als ich den Laden betrat, hoffte aber insgeheim, die Mitarbeiter und Kunden würden mich erkennen und ganz aufgeregt darüber sein, mir persönlich zu begegnen. Lungerte ein bisschen herum, aber keiner nahm Notiz von mir. War schließlich gezwungen, mich der Geschäftsführerin vorzustellen, Mrs. Harbin, eine zierliche, gepflegte Dame, deren unveränderliche Miene eine beunruhigende Mischung aus Gleichgültigkeit und Ermutigung war. Sie schien einigermaßen erfreut zu sein, mich zu sehen. Beschloss, sie nach dem Namen ihrer Buchhandlung zu fragen.
Ich sagte: “Ich habe mich nur gewundert – ich meine, eine Weintraube ist eine Frucht, oder? Wie kann die Weintraube eine Frucht von sich selbst sein? Verstehen sie, worauf ich hinauswill?”
Mrs. Harbin erwiderte: “DerName wurde meinem Mann während einer Gebetszeit gegeben. Ich wollte den Laden »Zunge und Griffel« nennen, nach dem Psalmwort, aber als Derek mir von der Frucht der Weintraube erzählte, war alles klar. Gottes Weg ist immer der beste, nicht wahr?”
Dachte im Stillen, dass Gottes Weg bestimmt der beste war, wenn er es geschafft hatte, zu verhindern, dass ein Buchladen »Zunge und Griffel« genannt wurde. …«

…oder »Kelle und Schwert«.

Hier wäre eindeutig etwas mehr Marketinggeschick angebracht gewesen…

Numero 2: Ein christliches Werbepaket, von dem ich mich förmlich angesprungen fühlte. Kommt vom »Spezialberatungsdienst Kirche und Gemeinde aktuell«, der eine gleichnamige Zeitschrift an den Mann Pfarrer bringen will. »Ab jetzt finden Sie schnell und zuverlässig Antworten auf alle Fragen Ihrer Gemeindearbeit.« »Die 10 besten Erfolgs-Checklisten für Ihre Gemeindearbeit (nur solange der Vorrat reicht!).« »Endlich wieder mehr Zeit und Mittel, um den Menschen Halt und Orientierung zu geben!« Ach ja: »Dabei legen wir besonderen Wert auf die Machbarkeit«.

…sicher eine gute Idee. Aber viel zu aggressiv beworben (und deswegen auch theologisch fragwürdig). Hier hätte ich mir etwas weniger Marketinggeschick gewünscht. Oder etwas mehr, ganz wie man’s nimmt.

Die Kirche braucht deine Zeilen, Simon!

 

3 Kommentare zu “Kirche und Marketing…”

  1. Simon meint:

    Genau, die Kirche hat bestimmt auf meine Zeilen gewartet …

  2. Dave meint:

    Betanien-Verlag. Man man. Wo treibst du dich denn rum? ;-)

  3. martin meint:

    kelle und schwert…freimaurer, die sich als bibeltreue (standardwort in gewissen gemeinden) – was wahrscheinlich mit evangelikal gleichzusetzen ist – ausgeben?

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