Jahr der Bibel

24. April 2013

Ein Jahr (!) lang alle (!) Gebote (!) der (!) Bibel wortwörtlich (!) halten … Dieser Vorsatz klingt ebenso skurril wie dümmlich. Um ein Haar hätte ich A.J. Jacobs’ Report »Die Bibel & ich« gleich wieder aus der Hand gelegt.

… doch Jacobs, aufgewachsen als säkularer Jude in New York, findet dann rasch zu einer differenzierten Sicht der Dinge. Er unterscheidet zwischen verschiedenen Gebots-Genres, forscht nach unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten. Er konzentriert sich Woche für Woche auf bestimmte Passagen. Er bleibt ebenso kritisch wie offen für Neues, übernimmt nach Ablauf des Experiments einzelne Dinge in seinen Alltag, zum Beispiel die heilsame wöchentliche Auszeit. Und ausgerechnet in der Geburt seiner Zwillinge (die sich passend einfügt in seinen sehr persönlichen Schreibstil) sieht er eine interessante Parallele:

Die Bibel mag uns nicht von Gott diktiert sein, sie mag eine blutige und komplizierte Geburt hinter sich haben, erschwert durch politische Ränke und altmodische Ideen – das heißt aber noch lange nicht, dass die Bibel nicht auch wunderschön und heilig ist.

 

8 Kommentare zu “Jahr der Bibel”

  1. Steffen meint:

    Danke für den Buchtipp.
    Einfach so hätte ich es wahrscheinlich auch wieder aus der Hand gelegt.
    Spannend klingt es jetzt durch deine Beschreibung, denn ich mag ja solche religiösen Selbsterfahrungen (Fasten, Schweigekloster, Shabbat halten…etc…).
    Sie erweitern meistens tatsächlich mehr als “nur” theoretisches Gedenke.

    Wie wäre es, ein Buch zu schrieben mit dem Titel: “Mein Jahr als Christ”?
    Untertitel: “Leben wie Jesus es uns sagt”
    Sicher wäre das spannend, denn keine unserer gewohnten Lebensweisen gäbe es für uns danach (so) noch…, oder vielleicht bliebe das Wesentliche doch, käme erst zum Vorschein…?

  2. Heinrich meint:

    Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass es überwiegend um die Bibel der Juden, also unser “Altes Testament” geht. Ich schätze, das Experiment würde noch viel wahnwitziger werden, wenn man ganz naiv das Neue Testament als Vorlage verwenden würde, da es ja im Grunde die Zeit des Gesetzes abschließt, um ein neues Kapitel einzuläuten. Wenn man trotzdem mit einem gesetzlichen Verständnis an das NT herangeht und “biblisch” leben will, kommen teilweise ganz absurde Ergebnisse dabei heraus – kann ich aus eigener Erfahrung sagen!

  3. Steffen meint:

    Danke für den Hinweis, Heinrich.
    Ich fände es in der Tat spannend, das NT mal so zu le(s)ben, als wäre es Gesetz…
    (Beispiel: Lukas 14, 26) Da wird`s u.U. eng mit unseren menschlichen Beziehungen. Aber wir bekommen vielleicht eine Ahnung von der Dimension unseres Glaubens, der ja nicht nur aus “Friede, Freude…” besteht, sondern der durchaus radikal (an die Wurzel gehend) ist.

  4. Daniel meint:

    @ Heinrich: Stimmt, darauf hatte ich nicht hingewiesen. Jacobs wendet sich erst dem Alten, dann dem Neuen Testament zu. Letzteres allerdings ein wenig mit angezogener Handbremse, wegen seiner jüdischen Identität.
    Gesetzlichkeit ist nie eine sonderlich gute Idee, wenn man mit der Bibel lebt. Deshalb ja auch mein Unbehagen zu Beginn der Lektüre …

  5. steffen meint:

    Natürlich ist es so, dass, wenn Religion “gesetzlich” (dogmatisch) gelebt wird, es zur Katastrophe kommt. (siehe auch Matth. 5; 20)
    Eines der mir eindrücklichsten Zitate dazu lautet: “Wo Religion wortwörtlich verstanden wird, da folgt ihre Pervertierung zum Aberglauben, zur Neurose und zur Legitimation von Aggression und Macht auf den Fuß.” (Joachim Kunstmann)
    Aber nehmen wir jeden Tag ein Wort Jesu mit hinein, deklinieren es in den verschiedenen Lebenssituationen, dann wird Gott sicher etwas damit anfangen, oder?
    Wenn ich z.B. “Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.” (Lk. 7; 37) morgens aufschlage und das dann über den Tag verfolge (ähnlich dem Losungsprinzip), dann ist das mein “Gesetz” für diesen Tag und ich kann bewusster sehen und erleben, wo Gott das tatsächlich macht.
    So kann es doch auch sein, dass Religion zum “Alltagsgesetz”, zum Wort über jedem Pulsschlag und somit zur Befreiung von eigener Denkweise (Schriftgelehrtheit etc.) wird, oder…??? Wo begegnen mir heute Taube und Sprachlose und wie macht Gott sie allein durch den Namen Jesu redend?
    Deswegen glaube ich, dass sich der Glaube an Christus von Religionen wesentlich unterscheidet und von daher kaum religiöse Gefahr von ihm ausgehen kann, wenn eben jener Jesus im Zentrum allen Denkens und Handelns steht. So wird Jesus selbst zum “Gesetz” und es endet tatsächlich alle religiöse Gesetzlichkeit (siehe Heinrich) durch ihn.
    Das kann natürlich kein Jude (wie Jacobs), Muslim etc. leben, denn sie kennen Jesus nicht, oder eben “nur” als einen von vielen Propheten und somit letztlich also doch nicht.

  6. steffen meint:

    Hinweis: Nat. ist Lk. 7; 37 kein Wort Jesu, sondern eines über ihn, doch eben das reicht schon aus um religiöse “Gesetzlichkeit” zu überwinden, denke ich.

  7. Heinrich meint:

    Gutes Zitat, Steffen!
    An so etwas dachte ich eigentlich, als ich von Wahnwitz und Absurdität sprach. Deine Vorstellung, “nach Gesetz” im Hinblick auf Jesus-Worte zu leben, ist natürlich eine ganz andere und klingt spannend! Vor allem weil sie darauf abzielt, mit der Gesinnung Jesu zu leben.
    Also, wenn in einem Jahr dein Buch dazu erscheint, würde ich es gerne lesen :)

  8. Steffen meint:

    Vorbestellung angenommen.
    Heute ist übrigens mein Matth. 9; 13 – Tag
    ;-)
    War grad beim (Kleiststadt)-Frisör schon erfrischend…

Deine Meinung?!