Falsche Seite

6. November 2007

Es ist schon ein paar Wochen her. Auf der Bahnfahrt nach München hatten wir eine Zwangspause in Ulm – und das noch ganz ohne Lokführerstreik… Draußen vor »Burger King« standen ein paar Tische in der Sonne – man hätte fast von Idylle sprechen können…

Satanisten (der pauschale Oberbegriff sei mir verziehen – ich weiß, dass man da gründlich differenzieren kann…) bekommt man ja relativ häufig zu Gesicht. Aber die schwarz gekleideten Jugendlichen, die damals keine 20 Meter von uns wegstanden, haben mich gepackt. Eine Mischung von Ratlosigkeit und Trauer machte sich bei mir breit. Einer von ihnen – der Kleinste, vielleicht 12 oder so – hatte einen krassen Spruch auf seinem Pullover. Eine Zeile von »Rammstein« – einem Kulturbanausen wie mir mussten sie das erklärten, als ich um Erlaubnis für ein Foto bat:

Warum finde ich das so übel?! Satanisten haben so viel kapiert. All die Dinge, die wir Nichtchristen andauernd krampfhaft klarzumachen versuchen: Dass das, was wir sehen, nicht alles ist. Dass es Gott gibt. Dass das Leben nicht zufällig abläuft. Dass wir uns persönlich positionieren können. Alles klar. Bessere Zeugen für die unsichtbare Welt könnte man sich kaum vorstellen.

…und dann landen diese Leute haargenau auf der falschen Seite. Lassen sich auf den ein, der das Leben nicht liebt, sondern zerstören will. Auf »Unseren Vater in der Tiefe«, wie es Cliff Staples Lewis so markant sagt. Und sehnen sich förmlich danach, ihr Leben wegzuwerfen. Bitter.

Nachdenklich stimmt mich auch, dass man im Theologiestudium nichts von solchen Dingen hört. Nichts. Höchstens mal am Rande, wenn man Themen wie »Aberglauben« streift. Aber so was gibt es ja nicht mehr. Genauso wenig wie »ProChrist« und so…

…ich werde polemisch. Ist schon spät. Wer weiß – vielleicht ist die Vikarsausbildung ja für Überraschungen gut?! Die legendären Gesprächsprotokolle könnte man ja auch mal in der Ulmer Fußgängerzone anfertigen anstatt in der Klinik…

 

Ein Kommentar zu “Falsche Seite”

  1. Dave meint:

    Hi Daniel!
    Nix gegen die Klinik ;-) In diesem Praktikum bin ich nämlich gerade…

    Aber zur Thematik: es mag einfach klingen, aber so lange man nicht endlich wahrhaben will, dass “das Böse” realer ist und ein Dualismus nicht so unwegbar scheint, wie viele es meinen, braucht man auch nicht davon ausgehen, dass “das Böse” real in das Leben der Menschen eingreift und diese Menschen verändert. Ein generelles Umdenken ist da angesagt – dann würde es nämlich auch nicht so viele staunende Gesichter geben, wenn man von solchen Menschen erzählt, die den Satan als real existierende Macht (in Form von Dämonen auch personal) erlebt und sogar angebetet haben.

Deine Meinung?!