Der Kirche eine Stimme geben

11. November 2007

Der Countdown läuft – nur noch wenige Stunden, dann wird in Württemberg gewählt. In Baden übrigens auch – aber kirchenmäßig ist das ja bei weitem nicht dasselbe…

Die Entscheidung über den zukünftigen Kirchengemeinderat fällt in unserer Gemeinde in guter alter DDR-Manier: Für die neun Plätze stehen exakt neun Kandidaten zur Verfügung. Was heißt, dass man höchstens noch (durch Panaschieren Kumulieren der Stimmen) eine Art interne Rangliste aufstellen kann.

Weitaus spannender ist die zeitgleich durchgeführte Wahl zur (auf sechs Jahre gewählten) Landessynode. Wir in Württemberg sind die einzige deutsche Landeskirche, die ihre Synodal-Kandidaten direkt wählt, d.h. ohne »Umweg« über die Bezirkssynoden.

Eine weitere Besonderheit kommt hinzu: Innerhalb der Synode existieren vier »Parteien«, sogenannte »Gesprächskreise«. In alphabetischer Reihenfolge treten an (der Link führt zum jeweiligen Wahlprogramm): »Evangelium und Kirche«, »Kirche für morgen«, »Lebendige Gemeinde«, »Offene Kirche«. Schon an den Titeln wird die theologisch-inhaltliche Vielfalt deutlich (die sich jetzt, in der Endphase des Wahlkampfs, gerade auf den jeweiligen Internetseiten in teils sehr heftigen Schlammschlachten äußert…). Über diese Situation kann man unterschiedlich denken. Kritiker sprechen von unnötiger Frontenbildung. Befürworter halten dem entgegen, dass es solche Fronten ohnehin immer gäbe – und dass auf diese Weise zumindest die Karten gleich auf dem Tisch seien.

Übrigens unterstütze ich die Tübinger Kandidaten eines Gesprächskreises persönlich, d.h. mit Namen im Wahlprospekt. (Sollte ich das später, als Pfarrer, auch noch tun?!) Wer diesen Blog halbwegs aufmerksam verfolgt, kann sich vermutlich denken, welchen. Werde am Abend auch mal auf der internen Wahlparty vorbeischauen, denke ich. Pikant: Mein Vater unterstützt zwei Gegenkandidaten – einer von ihnen ist sein ehemaliger Chef, der muss ihn rumbekommen haben. Klar, dass uns jeder drauf anspricht und eine interne Familien-Spaltung konstatiert. Angesichts solcher Befürchtungen verstehen wir uns aber immer noch prächtig. :-)

 

5 Kommentare zu “Der Kirche eine Stimme geben”

  1. Jona meint:

    Die Wahlparty war dann wohl eine Feier ;)

    Weißt du die Ergebnisse vom Kirchengemeinderat (also reingekommen sind ja wohl alle :-) , aber gibt’s irgendwo eine Ergebnisliste mit Stimmenzahl ?)

  2. Daniel meint:

    Hehe – hab die Endergebnisse erst erfahren, als ich am nächsten Morgen um 7.00 Uhr morgens auf meine Mitfahrgelegenheit gewartet habe. Bin da prompt auf einen offenen W-LAN-Zugang gestoßen…

    Nö – weiß noch nicht, wie die KGR-Wahl ausgegangen ist. Im Internet steht nix. :-(

  3. Jona meint:

    Ja, dass im Netz nichts steht, hab ich auch gesehen.
    Deshalb hab ich dich gefragt, weil du ja etwas näher an Derendingen wohnst als ich :-)

  4. Jona meint:

    Ich hab inzwischen die Ergebnisse:

    Joachim Rodemann 674
    Dr. Ulrich Binder 597
    Karin Waneck 526
    Kerstin Just 514
    Harald Rudolf 451
    Tabea Reutter 445
    Larissa Nanz 393
    Lydia Reusch 348
    Dr. Christian Hermann 338

  5. Daniel meint:

    …na – momentan bin ich ja im Osten unterwegs… Danke für die Info!

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