Die Wahrheit…

18. Dezember 2006

Nach wie vor hängen sie an (fast) jedem Bushaltestellenhäuschen – die Plakate einer BILD-Werbeaktion, die Mitte 2006 initiiert wurde: »Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.« Ein peppiger Slogan. Darunter werben berühmte Denker der Vergangenheit – Gandhi, Einstein, Galilei und andere – unfreiwillig-indirekt für die Berichterstattung von Deutschlands größter Tageszeitung.

Dass nun gerade BILD einem derart hohen Anspruch nicht gerecht werden dürfte, hat das innovative Team von »BILDblog« bereits eindrücklich visualisiert. Genauso darf man fragen, ob die genannten Wahrheitskämpfer auch für die aufbauschend-belanglosen Themen typischer BILD-Berichterstattung (gemachte Brüste etc.) Ruf und Leben riskiert hätten.

Was m.E. fataler ist, ist das Wahrheitsverständnis, das einem hier beiläufig untergeschoben wird: Wahrheit als (mehr oder weniger bedeutsame) Information, als bloßes Abstraktum. Man kann drauf kommen – oder eben nicht. Und: Wahrheit im Plural. Wer die eine Wahrheit nicht wahrhaben will, steht eben zu einer anderen.

Wie provokant-anders klingt da die Aussage eines Jesus von Nazareth: »Ich bin die Wahrheit« (Joh 14,6). Da wird die Sache plötzlich persönlich. Um es mit Michael Trowitzsch zu sagen: «Sie [die christliche Wahrheit, D.S.] hat ein Gesicht. Sie weint, sie lacht. Sie atmet. Sie blickt uns an. … Die Wahrheit lebt. Die Wahrheit ist ein Freund. Die Wahrheit, Jesus Christus, ist Evangelium, das seinen Namen verdient – jetzt, heute, hier. Man kann ihr jetzt unter die Augen kommen.«

Ach ja: Das ist ein Absolutheitsanspruch. Allerdings kein menschlicher – in diesem Sinne trifft das (meines Wissens ausschließlich negativ-ablehnend gebrauchte) Schlagwort also nicht. Christen können nicht »die Wahrheit« haben (genauso wenig wie irgendjemand sonst). Umgekehrt: Die Wahrheit hat sie!

 

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