Rückspiegel in die Zukunft

2. August 2011

Ich höre weiter fleißig den »Emergent Deutschland«-Podcast – und arbeite mich von Folge zu Folge vor Richtung Gegenwart. Beziehungsweise zurück Richtung Gegenwart.

In Folge #63 nämlich referiert Jens Stangenberg zur zeitlichen »Ruderboot-Perspektive«, wie ich das mal hier im Blog genannt habe: Im Hebräischen (und in den semitischen Sprachen überhaupt) liegt die Vergangenheit vor, die Zukunft dagegen hinter einem. Wie im Ruderboot eben.

Rein sprachlich, so Stangenberg weiter, ist es bei uns Deutschen zwar umgekehrt: Wir verorten die Vergangenheit hinter uns, die Zukunft vor uns. (Eine Meldung in den Radio-Nachrichten vorhin: »Obama schaute nur kurz zurück auf die letzten Wochen, – und blickte dann nach vorne in die Zukunft.«) Psychologisch ticken wir aber (nach wie vor) eher hebräisch: Wir orientieren uns an dem, was sichtbar vor uns liegt, – zum Beispiel an unseren Vorfahren (ein sprachliches Relikt!). Und wir haben tendenziell Angst vor der Zukunft, – weil sie eben doch hinter uns liegt, so dass wir sie nicht kennen.

Eine weitere Wendung erfährt dieses Zeitgefüge nun durch Jesus Christus. Dessen Leben und Sterben liegt einerseits in der Vergangenheit, also – nach hebräischer Denke – vor uns. Gleichzeitig erklärt sich christlicher Glaube erst und nur von der Auferstehung her. In diesem Ereignis sehen wir jetzt schon – vor uns –, wie Gott auch an uns gehandelt haben wird (Futur II!). (Stangenberg erklärt das auch ohne Verweis auf Wolfhart Pannenbergs Anthropologie schlüssig, – es wäre aber auch mit ihr gegangen.) Jesus ist also zugleich eine Art Rückspiegel in die Zukunft. Der Blick auf ihn katapultiert uns zurück, in die Zukunft. Und hat das Potenzial, uns die Angst zu nehmen.

 

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