Zwei-Klassen-Medizin

16. August 2011

Gleich geht’s mal wieder zum heimatlichen Zahnarzt. Und unwillkürlich denke ich zurück, an meinen Besuch dort Ende 2008…

Ich: Hallo. Daniel Renz. Ich habe einen Termin.

Mitarbeiterin an der Rezeption: Mit freundlichem Lächeln. Guten Tag, Herr Renz. Ihr Versicherungskärtchen bräuchte ich noch kurz.

Ich: Halb gespannt, halb stolz. Ich habe kein Versicherungskärtchen mehr. Bemerkt den ebenso fragenden wie ermutigenden Gesichtsausdruck seiner Gesprächspartnerin. Ich bin seit September beihilfeberechtigt. Bzw. privat versichert.

Eine völlig neue Aura durchflutet den Raum. Wurde das Lächeln eben noch deutlich strahlender?

Mitarbeiterin: Aaaaah… Verstehe. Wenn Sie noch kurz im Wartezimmer Platz nehmen würden, Herr Renz.

Ich: Betont gelassen. Kein Problem.

Ich suche mir in Ruhe eine Zeitschrift heraus. Eine halbe Stunde Wartezeit plane ich immer ein… Den ersten interessanten Artikel habe ich zu einem Drittel überflogen, als ich schon wieder nach draußen gebeten werde. Ich finde mich wieder in einem dritten, mir bislang unbekannten Behandlungsraum ganz hinten.

Mitarbeiterin: Ich fange dann schon mal an mit der Prophylaxe.

Ich: Äh, ja…in Ordnung. (Habe ich irgendwas? Tut so was weh?)

Eine halbe Stunde später habe ich es ganzheitlich verinnerlicht: Ich, der zeitlebens gesetzlich versicherte Sohn eines gesetzlich versicherten Arztes, bin Privatpatient. Ein Teil in mir schämt sich. Der andere Teil fragt genießerisch: »Na und?« Bis heute liegen beide Lager im Clinch miteinander. Und dann ist da auch noch die Bequemlichkeit…

 

Deine Meinung?!