Zukunft macht Schule

3. Februar 2014

Neulich wurde mir der folgende Brief einer Grundschule aus der Region gezeigt:

Sehr geehrte Frau […], sehr geehrter Herr […],

die […]schule […] hat Ihre Tochter […] im Lauf der ersten drei Klassenstufen beschult und begleitet. Durch die mittlerweile eingeführte Ausschreibungspflicht um die Klassenstufen wurden die Schulen gezwungen, sich in einem Wettbewerb um Schülerinnen und Schüler zu stellen. So will das Ministerium Kosten senken und die Qualität steigern.

Leider müssen wir Ihnen heute mitteilen, dass die […]schule die Ausschreibung für die vierte Klassenstufe nicht gewinnen konnte. Der Zuschlag ging an eine andere mitbewerbende Schule. Ihre Tochter muss insofern unsere Schule verlassen und wird in der vierten Klassenstufe in […] beschult. Das Landratsamt wird Ihnen demnächst mitteilen, ob und wann ein Schulbus eingesetzt wird.

Bitte tragen Sie dafür Sorge, dass Ihre Tochter umgehend die restlichen Leihgaben aus der Schulbücherei der […]schule zurückgibt, da wir im nächsten Jahr den Zuschlag für zehn dritte Klassenstufen erhalten haben und dringend eine Ausstattung für die Jahrgangsstufe benötigen.

Mit freundlichen Grüßen,

[…]
Leiter Grundschule

Das Schreiben war fingiert. Und als Einstiegs-Provokation gedacht – in ein Referat zum Thema Kirche, Diakonie und Arbeitsmarkt. Was wäre, wenn Schulen ähnlich unter Druck stünden wie Unternehmen?! Pikant: Längst nicht alle Zuhörer(innen) hatten sofort an der Echtheit des Grundschul-Briefs gezweifelt. Ich persönlich schon gar nicht … Irgendwann in naher Zukunft wird es genau so laufen, oder?!

 

Ein Kommentar zu “Zukunft macht Schule”

  1. Steffen meint:

    Ich dachte auch zuerst tatsächlich, dass das echt sei.
    Aber: Das ist die Richtung in die wir uns in allen Bereichen bewegen und – das sehe ich ebenso – das ist beängstigend.
    Freiheit kann in diesen Bereichen nicht funktionieren, wenn der Zwang (die Diktatur) des Geldes dahinter steht.
    Aber: Mehr Abgaben wäre auch kein Weg.
    Das ist eine Frage der politischen Willensbildung.
    Mehr für Bildung/ Ausbildung hieße letztlich ja weniger für Wohlfahrt.
    Das aber muss man erst verstehen, denn unsere gegenwärtige “soziale” Politik, die die Förderprioritäten nach politischem Klientel ausrichtet, ist sicher ein Irrweg.
    Wir fördern z.Zt. daher lieber Vergangenheit (überbewertete Rentenpolitik etc. für die große Wählerschar der Alten) als Zukunft.
    Beides im Blick zu haben ist offensichtlich etwas zu viel für unsere politische Klasse.

Deine Meinung?!