Zu viel – und zu wenig

21. März 2009

Gedenkgottesdienst und Staatsakt für die Opfer von Winnenden und Wendlingen waren höchst eindrücklich. Dass vorher die Kirchenglocken in ganz Deutschland geläutet haben (auf landeskirchliche Anweisung hin »genau 7 1/2 Minuten«), war auch ein gutes Signal. Und vor den Stellwänden in »meiner« Schule hier in Luginsland – übervoll mit Beileidsäußerungen und Gebeten von Schülerinnen und Schülern – mache ich jedes Mal ein, zwei Minuten Halt. Die Trauer muss in aller Ruhe zugelassen und ausgehalten werden, keine Frage.

Und doch: Insgeheim wünsche ich mir, die Ereignisse wären etwas weniger häufig auf Seite 1 der Boulevardpresse gelandet…und dafür auch in drei Monaten noch ab und zu auf Seite 5. Insgeheim wünsche ich mir, unsere Weltsicht wäre ein klein wenig realistischer (und wüsste auch um das Böse im Menschen) – so dass wir zwar nicht weniger schockiert, aber zumindest nicht vollkommen überrascht wären, wenn das Unbegreifliche passiert. Insgeheim wünsche ich mir, wir würden mit dem Finger zuerst auf uns zeigen – unsere Familien, unsere Nachbarschaft, unsere Schule usw. –, dann erst auf Tim K. und »seine bösen Eltern«. Dann bestünde auch eine gewisse Chance auf nachhaltige Veränderungen. Insbesondere in der Rede von Bundespräsident Horst Köhler habe ich diese Hoffnung wahrgenommen.

Ob über den jüngsten Amoklauf ein klein wenig zu viel berichtet wird wurde…und eben deswegen auch wieder zu wenig?!

Dieser Beitrag wurde auch bei »PastorBuddy« veröffentlicht.

 

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