Zu Unrecht unbekannt

10. Februar 2015

Bereits 1938 veröffentlichte Kathrine Kressmann Taylor ihren knappen Briefroman »Adressat unbekannt«. Erst 2000 wurde das Buch ins Deutsche übersetzt – und erneut zum Bestseller. Mich erreichte es – über eine Bookcrossing-Aktion der Stiftung Lesen – erst vor einigen Wochen. Und wie! Eine viertelstündige U-Bahn-Fahrt war mehr als ausreichend für die knapp 60 Seiten. Und den atemberaubenden Inhalt.

Max Eisenstein, ein amerikanischer Jude, und der Deutsche Martin Schulse [sic!] schreiben sich von 1932 bis 1934 Briefe. Ihre geschäftlich-persönliche Freundschaft zerbricht rasch unter Hitlers Herrschaft – aus den (anfänglich dafür gehaltenen) »Nebensächlichkeiten, de[m] leichten Schaum an der Oberfläche, der entsteht, wenn eine große Bewegung zu sieden beginnt« wird auch bei Schulse grundsätzlich-verblendeter Antisemitismus. Trotzdem vertraut Eisenstein dem Kollegen das Schicksal seiner Schwester an – und wird tödlich enttäuscht. Woraufhin er um so entschlossener Briefe schreibt und dabei ausgerechnet (ganz, ganz tiefsinniger Humor!) seine jüdische Identität als Waffe einsetzt, mit vernichtender Wirkung … Da habe ich mich unwillkürlich gefragt: Hätte das auch in der Realität funktioniert? Und was, wenn die Idee gleich mehreren gekommen wäre?!

 

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