Zu kurz gegriffen

26. Mai 2011

»Das ist ja nicht zum Aushalten! Was lassen Sie in Ihrer Partnerschaft nicht durchgehen?

fragt »chrismon« im Mai. Vor meinem inneren Auge erscheint die berühmte offene Zahnpastatube. Die Formulierung zielt doch vermutlich auf Marotten, auf schlechte (teils banale) Angewohnheiten. Auf Verhaltensweisen also, die man mehr oder weniger rasch ändern kann.

Die Schwierigkeit: Der Großteil der gegebenen Antworten passt schlicht nicht in diese Kategorie. »Wenn mein Partner die Kinder schlecht behandelt«. »Wenn mein Partner die ganze Zeit vorm Computer verbringt«. »Wenn mein Partner keinen Sex haben will«. »Wenn ich nie von meinem Partner höre: »Ich liebe dich!"». Und (aufgepasst!): »Wenn mein Partner eine schwere Depression hat«. Das alles sind doch eher (teils schwere) Störungen und Bedürfnis-Unterschiede, die man sich nicht bewusst aussucht – und die sich nur dementsprechend aufwändig bearbeiten lassen. Die Frage, was man »durchgehen« lässt, greift dann schlicht zu kurz.

(Nachtrag: Eben entdecke ich einen Leserbrief mit genau derselben Kritik…)

 

Ein Kommentar zu “Zu kurz gegriffen”

  1. Iwe meint:

    Chrismon ist das Nachfolge”magazin” für das gute alte “Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt”, das ich sehr vermisse – und zwar umso mehr mir die Flachheiten, die Ungenauigkeiten und die vielfache journalistische Schlamperei des Nachfolgeblattes auf die Nerven gehen.

Deine Meinung?!