Zeiten-Mix

17. Dezember 2012

Gestern im Gottesdienst bin ich mal wieder dem Phänomen der verschwimmenden Zeiten begegnet:

Predigttext war Jesaja 40,1-11: Göttliche Worte von Gottes Kommen, sprachlich und inhaltlich unfassbar dicht. Und auch die (naheliegende) Frage nach dem »Wann?« ist komplex: Manche Formulierungen klingen wie Zukunftsmusik: »… alles Fleisch miteinander wird es sehen« (Jesaja 40,5). Aber offenbar ist auch schon was passiert: »Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist« (Jesaja 40,1). Und das alles verändert offenbar auch schon die Gegenwart. Die Freude drückt durch im Jetzt und Hier.

Schriftlesung war Matthäus 11,2-6: Johannes der Täufer sitzt im Gefängnis – und will jetzt wissen, was er von Jesus halten soll: »Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?« (Matthäus 11,3) Mit anderen Worten: »Ist der Messias schon da? Oder kommt er erst noch?« Vergangenheit oder Zukunft? Jesus aber … spricht in seiner Antwort nur von der Gegenwart: »Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.« (Matthäus 11,4b-5)

Wo Gott kommt, wo sich Gottes Reich durchsetzt, da funktioniert unsere klassisch(-»westliche«?) Zeiten-Unterscheidung nicht mehr. Da verbinden sich Vergangenheit und Zukunft, mitten in der Gegenwart. Und genau das passiert ja auch im Advent: Wir erinnern uns an Gottes historisches Kommen in der Vergangenheit, vor 2.000 Jahren in Israel. Gleichzeitig hoffen wir auf Gottes Kommen in der Zukunft – um zu Ende zu bringen, was noch nicht heil ist. Und beides macht unser Leben lebenswert. Jetzt und hier.

 

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