»Woher haben sie das?«

10. Juli 2007

…mit dieser Schlagzeile ist die Rubrik »WISSEN« der »ZEIT« vom 28. Juni überschrieben (richtig erkannt – bin nicht ganz up to date zur Zeit…).

Was folgt, ist eine gut recherchierte und differenzierte, aber nicht weniger entschiedene Abrechnung mit einer modernen Wahnvorstellung, über die man eigentlich laut lachen müsste…wenn sie nicht so etabliert wäre.

Gender mainstreaming. Zu Deutsch: »Das Geschlecht zum Hauptstrom machen«. Oder: «Frauen und Männer werden gemacht – nicht geboren«.

Besonders köstlich ist der Bericht über »die Feministin Marianne Grabrucker«, die »sehr bewusst und mit dem Protokollblock in der Hand den Versuch unternommen [hat], ihre kleine Tochter wirklich frei und geschlechtsneutral zu erziehen. Das Kind sollte auf gar keinen Fall "auf die Mädchenrolle zugerichtet" werden, stattdessen "die Neue Frau schlechthin" werden. Marianne Grabruckers Tagebuch (Typisch Mädchen … Prägung in den ersten drei Lebensjahren) ist als erschütterndes Dokument des Scheiterns zu lesen. Bei aller Mühe und Selbstkontrolle, heraus kam am Ende das Schlimmste: "mädchenhaftes Verhalten".
Dabei hatte die Mutter wirklich aufgepasst. Sie hatte bei Substantiven sogar die weibliche Form bevorzugt … Kleine Erfolge hatten sich auch eingestellt: Als die Zweijährige einmal zauberte, benutze sie die Worte: "Hokuspokus Fidibus, dreimal schwarze Katerin". Und doch scheiterte das Projekt.«

Was ich mich frage: Woher kommen solche Ideen überhaupt? Und – doppelt spannend – warum ist Gender mainstreaming nicht zuletzt in kirchlichen Kreisen (und Behörden…) so topaktuell?! (Ein aktueller Einblick findet sich auch im aktuellen »Ichthys«.) Gerade Christen müssten doch eigentlich sehr gut wissen, »woher sie das haben«…

Man kann bequem sein – und alles auf den Teufel schieben. Aber meiner Meinung nach ist es nicht weniger realistisch, an eklatante Versäumnisse der »konservativen« Theologie zu denken. Die, wenn auch nicht bewusst oder gar böswillig, eben bestimmte Bedürfnisse jahrzehntelang ausgeklammert hat. Die angesichts einer »Offenbarung von oben« vergessen hat, dass Gott nicht an menschlichen Bedürfnissen vorbei handelt. Die Aspekte wie Sinnlichkeit und Gefühl peinlich berührt ausgeklammert hat. Die die gegebenen Strukturen zum Dogma gemacht hat. Und jetzt die Quittung bekommt.

Was tun?! Ich glaube, jetzt ist es notwendiger denn je, miteinander ins Gespräch zu kommen. Sich den Diskussionen nicht zu verschließen. Zu entdecken, wo die eigentlichen Knackpunkte liegen. Und dabei für einen Gott einzustehen, der sich schon was gedacht haben wird bei seiner Schöpfung. Den »kleinen Unterschied« eingeschlossen.

 

2 Kommentare zu “»Woher haben sie das?«”

  1. Daniel meint:

    …sehr empfehlenswert (gerade gelesen :) ) – und obendrein kostenlos: Das 13. Bulletin des deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft. Das Thema “Gender Mainstreaming” wird darin aus verschiedenen Perspektiven intensiv unter die Lupe genommen. Zu bestellen über die email-Adresse institut@dijg.de.

  2. Daniel meint:

    …und jetzt wettert sogar Harald Martenstein gegen den Gender-Wahn – im aktuellen ZEITmagazin Leben. Sehr vernünftige Zeilen!

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