Windeln, Weib und Wohlgefallen

26. August 2012

Ein Kollege und Freund schickte mir neulich den folgenden Auszug aus Martin Luthers Schrift »Vom ehelichen Leben«. Mal Ermutigung, mal Herausforderung …

Wenn die kluge Hure, die natürliche Vernunft, welcher die Heiden gefolgt sind, wo sie am klügsten sein wollten, das eheliche Leben ansieht, so rümpft sie die Nase und spricht: Ach, sollte ich das Kind wiegen, die Windeln waschen, Betten machen, Gestank riechen, die Nacht wachen, beim Schreien für es sorgen, seinen Ausschlag und Geschwür heilen, danach das Weib pflegen, sie ernähren, arbeiten, hier sorgen, da sorgen, hier tun, da tun, das leiden und dies leiden und was denn mehr an Unlust und Mühe der Ehestand lehrt. Ei, sollte ich so gefangen sein? O du elender, armer Mann, hast du ein Weib genommen, pfui pfui des Jammers und der Unlust. Es ist besser frei bleiben und ohne Sorgen ein ruhiges Leben geführt. Ich will ein Pfaff oder Nonne werden, meine Kinder auch dazu anhalten!
Was sagt aber der christliche Glaube hierzu? Er tut seine Augen auf und siehet alle diese geringen, unangenehmen und verachteten Werke im Geiste an und wird gewahr, daß sie alle mit göttlichem Wohlgefallen wie mit kostbarstem Gold und Edelsteinen geziert sind, und spricht: Ach Gott, weil ich gewiß bin, daß du mich als einen Mann geschaffen und von meinem Leib das Kind gezeugt hast, so weiß ich auch gewiß, daß dir’s aufs allerbeste gefällt, und bekenne dir, daß ich nicht würdig bin, das Kindlein zu wiegen, seine Windeln zu waschen und für seine Mutter zu sorgen. Wie bin ich in die Würdigkeit ohne Verdienst gekommen, daß ich deiner Kreatur und deinem liebsten Willen zu dienen gewiß geworden bin? Ach, wie gerne will ich solches tun, auch wenn’s noch geringer und verachteter wäre. Nun soll mich weder Frost noch Hitze, weder Mühe noch Arbeit verdrießen, weil ich gewiß bin, daß dir’s so wohlgefällt.

 

2 Kommentare zu “Windeln, Weib und Wohlgefallen”

  1. Steffen meint:

    Immer wieder ein Brüller dieser Luther.
    Den hätte ich gern mal getroffen.
    Aber: Was nicht ist,…;-)

  2. Simon meint:

    Lustige Ausdrucksweise und heute aktueller denn je. Schön, dass jemand das Eltersein wert schätzt!!!

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