WG mit Gott

31. Mai 2009

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Amen.

Liebe Gemeinde,

wie lange es sie schon gibt, ist nicht bekannt. Sie erfreut sich ungebremster Beliebtheit. Und gleichzeitig ist sie schon längst ein Mythos. Unzählige Deutsche sind erst in ihr so richtig erwachsen geworden. Und – der Prediger spricht in dankbarer Erinnerung – wer sie nicht erlebt hat, dem fehlt ein Stück Lebenserfahrung.

…die Rede ist von der guten alten…WG. Zu deutsch: Wohngemeinschaft.

Natürlich — eine WG soll mitunter auch Nachteile haben. Da gibt es den unordentlichen Mitbewohner, der regelmäßig den Flur zum Hindernisparcours umgestaltet. Und da ist die schicke Mitbewohnerin, die das Bad blockiert, bis man den Bus verpasst. Aber es gibt genügend schöne Erfahrungen: Der angeregte Austausch, die gegenseitige Anteilnahme, die gemeinsamen Feste…all das macht eine WG lebenswert. Da wundert es gar nicht, dass sich mittlerweile Menschen aus allen Generationen für diese Form des Zusammenlebens interessieren.

Der Andrang allerdings ist groß — und die Bewerbungsverfahren hart. Das klassische Kreuzverhör am Küchentisch – mit der gefürchteten Frage: „Warum sollen wir ausgerechnet dich nehmen?“ – ist meistens nur der Anfang. Die im Internet geschilderte Methodenvielfalt kennt keine Grenzen: „Malst du bitte mal ein Bild von dir?«, wird der 18-jährige Abiturient Luitgard gefragt. Amira, 24, muss ihre Kenntnisse als Cocktail-Mixerin demonstrieren. Und der 26-jährige Kandidat Gregor erledigt erst mal die angehäuften Abwaschberge.

Yeliz, 27 und selbst Veranstalterin eines privaten WG-Castings, schildert die geforderten Voraussetzungen folgendermaßen: Ihr Mitbewohner – Zitat – »soll kochen und putzen können, handwerklich geschickt und kein Redemuffel sein.« Na – da kann ich ja von Glück sagen, dass meine Frau nicht ganz so wählerisch war…

Liebe Gemeinde,

im Predigttext heute geht es um eine WG, um eine Wohngemeinschaft der besonderen Art. Hören wir aufs Johannesevangelium – Kapitel 14, Verse 23 bis 27. Der Sprecher dort ist Jesus.

[...] Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Eine Wohngemeinschaft der besonderen Art – eine WG mit Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn Jesus Christus. Wahrhaft prominente Zimmernachbarn, die uns da in Aussicht gestellt werden.

Von einem aufwändigen Bewerbungsverfahren für diese attraktive WG ist überraschenderweise nicht die Rede. Vater und Sohn scheint es nicht darum zu gehen, die Zahl ihrer Mitbewohner möglichst klein zu halten. Im Gegenteil – sie selbst sind es, die die Wohngemeinschaft gründen wollen.

Einzig und allein von Voraussetzungen erfahren wir. Und die haben es nun allerdings in sich: »Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.«

Weder hauswirtschaftliche noch handwerkliche Fähigkeiten sind also gefragt, weder sozialer Status noch Bankkonto, ja noch nicht einmal Bibelkenntnisse oder ehrenamtliches Engagement… Stattdessen: Jesus lieben und sein Wort halten.

Nun – das macht ja Sinn: Wer mit Jesus, der Liebe in Person, die Küche teilt…der sollte diese Liebe auch erwidern können. Und Jesu Wort halten — auch das klingt vernünftig in einer Wohngemeinschaft, die ja auf gegenseitiges Vertrauen angewiesen ist.

Und trotzdem: Jesus lieben, sein Wort halten…ist das realistisch? Mir kommen Aufforderungen Jesu in den Sinn – und jede einzelne zeigt mir meine Grenzen auf… Wie war das nochmal mit dem Kreuz, das ich getrost auf mich nehmen soll, um ihm nachzufolgen? Ich bekomme das düstere Gefühl, dass ich nicht so recht in diese Wohngemeinschaft passe. »Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht«, sagt Jesus gleich anschließend. Ob er meine Gedanken geahnt hat?

Liebe Gemeinde,

diese Worte spricht einer, der nur kurze Zeit eine Wohnung besessen hat. Erst in einem Stall geboren und auf der Flucht, dann drei Jahre lang unterwegs durch Israel. Und jetzt nimmt Jesus Abschied. Der Predigttext ist Teil einer langen Abschiedsrede, über drei Kapitel lang.

Die Jünger können noch froh sein, dass sie gar nicht alles verstehen. Ab und zu werfen sie eine verwirrte Frage ein… Aber Jesus – der spürt die Unsicherheit und Angst, die sich bei den verwirrten Jüngern schon abzeichnet. Drei lange Jahre waren sie auf Tuchfühlung mit dem Sohn Gottes. Jetzt wird er gehen und sie alleine zurücklassen. Die vage Verheißung einer unwahrscheinlichen Wohngemeinschaft mit Vater und Sohn kann da auch nicht recht begeistern.

Mitten hinein in diese Abschiedsstimmung spricht Jesus die unerhörten Worte: »Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.« Jesus redet vom Frieden, den er gibt. Und…er kündigt den Heiligen Geist an. Der Vater wird ihn senden – im Namen Jesu.

Der Heilige Geist ist nicht nur Ersatz für Jesus, nicht nur ein Stellvertreter – sondern sein legitimer Nachfolger. Mit dem Heiligen Geist macht Gott deutlich: Er ist kein jenseitiger Frührentner, der sich nach Auferstehung und Himmelfahrt aus der Affäre zieht. Seine Geschichte mit der Welt und den Menschen geht weiter. Derselbe Geist, der schon vor der Schöpfung »auf dem Wasser« »schwebte« [Genesis 1,2], derselbe Geist, der die alttestamentlichen Propheten begabt hat, derselbe Geist, der Maria mit ihrer Schwangerschaft überrascht hat, derselbe Geist, der bei Jesu Taufe sichtbar wurde – dieser Geist führt jetzt fort, was Jesus begonnen hat.

…und er tut das örtlich und zeitlich unbegrenzt.

Jesus – das war Gott als Mensch, in Raum und Zeit, und auch mit Einschränkungen, die das so mit sich bringt. In Israel hat Jesus gelebt. Immer an einem Ort war er, zu einer bestimmten Zeit. Auch schlafen musste er ab und zu… Damals in Israel gab es auch Menschen, die Jesus nicht begegnen konnten. Und seit Auferstehung und Himmelfahrt ist der Direkt-Kontakt mit Jesus überhaupt nicht mehr möglich.

…der Heilige Geist aber ist weltweit aktiv – und bis zum Ende der Zeit. Das ist der Grund, warum Jesus so zuversichtlich von seinem Abschied reden kann. Er weiß seine Jünger und er weiß uns in guten Händen.

Was genau tut nun der Heilige Geist? Jesus drückt es so aus: »… der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« Machen wir uns klar, wem diese Worte gelten! Die Jünger waren gerade erst drei Jahre lang mit Jesus unterwegs gewesen. Die hatten jeden Tag gehört, was Jesus zu sagen hatte. Bleibt da überhaupt noch eine Aufgabe für den Heiligen Geist? Auch wir könnten ja verwundert einwenden: »Wir haben doch die Bibel und können nachlesen, was Jesus gesagt hat. Was brauchen wir da noch den Heiligen Geist?«

Liebe Gemeinde,

Was Jesus gesagt hat, scheint mehr zu sein als eine Sammlung von Informationen. Mehr als eine Anzahl von Anweisungen, die man einfach so befolgen kann… Was Jesus gesagt hat, muss in unserem Leben andocken, ankommen. Und da kommt nun der Heilige Geist ins Spiel.

Ein paar Beispiele, wie das aussehen könnte:

Zunächst: Der Name des Heiligen Geistes ist Programm: »Tröster« nennt Jesus ihn. Der Heilige Geist ist kein billiger Trost, sondern sozusagen der Trost in Person. Wo diese Welt mit ihren Schreckensbotschaften, wo das Leben mit seinen Enttäuschungen uns nicht die Zuversicht raubt, da hat der Heilige Geist seine Arbeit getan.

Ich bin letzte Woche Menschen begegnet, die körperlich, gesundheitlich unglaublich eingeschränkt sind. Und doch habe ich einen Lebensmut wahrgenommen, eine Zuversicht, die mich beeindruckt hat. Ich bin beschenkt nach Hause gegangen.

Trost, Zuversicht – das hat auch mit Glauben zu tun. Auch den Glauben an Gott, also den Glauben an einen Mensch gewordenen, gestorbenen und wieder auferstandenen Gott – was Un-Glaubliches, wenn man’s recht überlegt! –, auch diesen Glauben schenkt uns der Heilige Geist.

Liebe Gemeinde,

würde der Heilige Geist jetzt auch nur eine Sekunde aufhören, seine Arbeit zu tun — wir würden sofort in Angst und Unglauben auseinander rennen. Nichts hält uns hier zusammen…außer dem Heiligen Geist.

Zuversicht und Glaube — wer das geschenkt bekommt, der lebt anders. Was Jesus gesagt hat, wird dann lebendig und konkret.

Vor genau 75 Jahren geschah das in Deutschland auf sehr drastische Weise. 1934 — ein Diktator hatte gerade die Macht übernommen…und auch große Teile der Kirche jubelten ihm, dem großen »Führer«, zu.

…aber dann geschah es: Der Heilige Geist »erinnerte« eine Gruppe von Christen an das, was Jesus gesagt hatte. Und man verfasste die Barmer Theologische Erklärung mit ihrer berühmten ersten These: »Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. – Wir verwerfen die falsche Lehre, als müsse und könne die Kirche [...] auch noch andere [...] Mächte [...] als Gottes Offenbarung anerkennen.« Die Erkenntnis dieser Wahrheit, diese Weisheit – verbunden mit Zuversicht und Glaube – machte es möglich, Jesus nachzufolgen und den Lügen der sogenannten »Deutschen Christen« zu widersprechen.

…so weit nur eine ganz kleine Auswahl an Dingen, zu denen uns der Heilige Geist befähigt: Zuversicht, Glaube, Erkenntnis der Wahrheit.

…wir könnten es auch so sagen: Der Heilige Geist – er erst macht uns fähig, Jesus zu lieben und sein Wort zu halten.

…damit aber – liebe Gemeinde, wir erinnern uns – ist die verheißene Wohngemeinschaft mit Vater und Sohn plötzlich Realität. Denn das waren ja die Voraussetzungen: Jesus lieben und sein Wort halten.

Der Heilige Geist – den der Vater extra geschickt hat, im Namen Jesu –, der macht uns WG-tauglich, fähig für die Wohngemeinschaft mit Vater und Sohn.

Man könnte glatt sagen, der Heilige Geist ist eine Art Wohnungsmakler. Nein, das wäre noch zu kurz gegriffen. Der Heilige Geist bringt uns ja nicht nur äußerlich zusammen mit Vater und Sohn. Er arrangiert nicht nur einen Mietvertrag. Er legt auch nicht nur ein gutes Wort für uns ein. Es ist aufwändige Beziehungsarbeit, die er leistet. Er verändert uns von innen her – so dass wir wirklich ein wichtiger Teil der Wohngemeinschaft werden.

…das geht so weit, dass nicht etwa wir ein Zimmer bei Vater und Sohn beziehen. Nein, umgekehrt: Vater und Sohn kommen zu uns, heißt es im Johannesevangelium – und sie gründen ihre Wohngemeinschaft mit und bei uns. Der Heilige Geist macht’s möglich. Jetzt und hier.

In der Wohngemeinschaft mit Vater und Sohn…bleiben wir manchmal ganz unter uns. Wir genießen die vertraute Gemeinschaft. Wir tauschen uns aus, nehmen Anteil aneinander – zum Beispiel im persönlichen Gebet, beim Blick in die Bibel oder ein anderes Buch, bei einem Gang durch die Natur.

In der Wohngemeinschaft mit Vater und Sohn…gibt es aber auch noch andere menschliche Mitbewohner. Keine Sorge – der Heilige Geist wird weiter an uns arbeiten, damit wir auch diese Herausforderung meistern. Vielleicht passiert es uns ja eines Tages, dass der große Teppich in unserem Zimmer abhanden kommt – so dass wir nichts mehr drunter kehren können… Oder dass die schmutzige Wäsche, die wir so gerne mit anderen waschen, strahlend weiß aus der Waschmaschine kommt… So wird die WG mit Gott noch lebenswerter. Auch in der großen Runde pflegen wir Austausch und Anteilnahme. Auffällig oft werden Feste gefeiert – im Gottesdienst, beim Abendmahl…und natürlich Anfang Juli, draußen, im Kindergarten-Hof.

…und regelmäßig verlassen wir auch die gemeinsamen vier Wände. Es geht dann raus, in den »ganz normalen« Alltag. Wir können die Liebe, die wir erfahren, gar nicht für uns behalten, sondern reichen sie weiter an Nachbarn und Verwandte, an Freunde…und an Fremde. Und wir freuen uns, wenn Vater und Sohn neue Wohngemeinschaften gründen und bei anderen Menschen einziehen.

…dann hat der Heilige Geist wieder seine Arbeit getan. Und wie schon bei uns schreibt er mit großen, leuchtend bunten Buchstaben quer über die Haustür: »Herzlich willkommen!«

Amen.

Predigt, gehalten am 31. Mai 2009 (Pfingstsonntag) in Stuttgart-Untertürkheim, Luginsland.

Wer will, kann ja mal spekulieren, warum ich bis zum Schluss nicht so richtig zufrieden war… Oder, anders ausgedrückt: Kritik ausdrücklich erwünscht!

 

3 Kommentare zu “WG mit Gott”

  1. Oliver meint:

    Ein anspruchsvoller Predigttext, besonders wenn man bis vor kurzem noch studiert hat, alle möglichen Gedanken zur Trinitätslehre im Hinterkopf hat und jetzt so elementar wie nur irgendwie möglich vom Heiligen Geist reden soll. Ich finde, Dir ist dieser Schritt auf die Kanzel aber gut gelungen!! : ) Ich fand es clever, dass Du das Bild der WG von Anfang bis zum Ende benutzt hast. Es ist ein kräftiges Bild und es wäre schade gewesen, wenn Du es irgendwann fallen gelassen hättest. Dieses Bild bleibt sicher lange in der Erinnerung.

    Am Anfang hab ich einmal “Autsch” gedacht. Da hast Du geschrieben: “Und – der Prediger spricht in dankbarer Erinnerung – wer sie [die WG] nicht erlebt hat, dem fehlt ein Stück Lebenserfahrung.” Ich stimme Dir da voll und ganz zu, aber nur weil ich aus dem gleichen, studentischen Milieu komme wie Du (um mal deinen Bericht über die Milieustudie aufzugreifen).

    Weißt Du, was ich meine? Selbst wenn Du ein bisschen übertrieben hast und es augenzwinkernd gesagt haben solltest: Sollte sich der 80-jährige, Renter, der seit seinem fünfzehnten Lebensjahr in der Autofabrik gearbeitet hat und nie in einer WG gewohnt hat, von einem jungen Vikar sagen lassen, dass ihm ein Stück Lebenserfahrung fehlt!? Es ist gut möglich, dass dieser Renter längst nicht so kritisch zugehört hat und es ihm gar nicht aufgefallen ist. Trotzdem: Diesen Satz hättest Du lieber anders formulieren sollen.

    Insgesamt halte ich aber Deine Predigt für sehr gelungen!! Gerade das Bild von der WG wird den Hörerinnen und Hörern noch lange in Erinnerung bleiben.

  2. Torsten meint:

    Hey Daniel,

    bis zum Schluss nicht ganz zufrieden? Mir fiele als Kritik ebene eine gewisse Unlogik auf, vielleicht
    wäre es aber auch logisch, wenn ich länger drüber nachdenken würde: Für mich ist der Vater und der Sohn,
    die zu uns kommen, um Wohnung zu nehmen, nichts anderes als der Heilige Geist. Die Voraussetzung hierfür
    ist laut Text die Liebe zu Jesus, d.h. das Halten der Worte Jesu. Nun kommt der Hl Geist, zieht ein und
    jetzt wird das Halten der Worte erst möglich. Das sagst du in einem Wort, aber das ist m.E. unlogisch.
    Vielleicht ist es auch unlogisch, vielleicht ist es nicht auflösbar innerjohanneisch oder auch systematisch-
    theologisch (bin ich noch zu unbelehrt), aber auf jeden Fall scheint es mir unlogisch zu sein, an dem
    ich mich als Leser gerieben habe beim Lesen und was mir auf jeden Fall riesige Schwierigkeiten gemacht
    hätte über diesen Text zu reden.

    Grüßle, Torsten

  3. Daniel meint:

    Vielen Dank für eure Rückmeldungen schon mal!

    @ Oliver: Das mit der “Lebenserfahrung” ist ein guter Hinweis! Mir kam das beim Schreiben auch ganz kurz – aber dann dachte ich wohl: “Ist doch sowieso nur als Witz gemeint…” Trotzdem kann das in der Tat zu Irritationen führen. In einer anderen Predigt – zum Gleichnis vom Sämann – habe ich gesagt: “Gott gibt großzügig. Er ist kein Schwabe!” Eine Frau hat mir anschließend gesagt, dass sie das verletzt habe…

    @ Torsten: Dass der Heilige Geist selbst die Voraussetzungen dafür schafft, dass er überhaupt kommen kann…das ist Absicht…und aus meiner Sicht der Kern des Evangeliums. Denn sonst winkt doch die Werkgerechtigkeit, oder nicht?! Aber was mich wirklich stört an der Predigt, ist die Beschreibung eines – Achtung, Theologie! – soteriologischen Vorher-Nachher-Prozesses. Erst passen wir nicht so recht in die WG…doch dann – tataaa! – kommt der Heilige Geist ins Spiel. Erstens wirkt dieser “Rückblick” ein bisschen künstlich (denn wir können ja nur aus Geist-Perspektive predigen). Und zweitens habe ich dieses (“fromme”?!) Schema schon so oft erlebt, dass ich es fast ein bisschen langweilig finde… Versteht ihr, was ich meine?!

    Was ich bestätigen würde: Eine eindrückliche Metapher ist oft mehr wert als ein völlig systematischer Aufbau. Was im Kopf bleibt, ist nämlich das Bild…

    In sechs Jahren oder so – wenn der Text halt wieder dran ist ;-) – könnte ich die Sache vielleicht – so wie mein Ausbildungspfarrer vor sechs Jahren – folgendermaßen aufziehen: Ein Hausbewohner erzählt von einem neuen Untermieter, der seit kurzer Zeit da ist…ein Herr Tröster. Gesehen hat er ihn noch nie. Sein Vater hat den Vertrag für ihn arrangiert – unterschrieben hat der allerdings mit dem Namen seines Sohnes. Der wolle das so. Und überhaupt – manchmal wirkt es so, als ob vor allem Vater und Sohn eingezogen sind… Na – aber dafür wird die Miete immer einen vollen Monat zu früh überwiesen! Um solche Dinge muss man sich sonst ja immer Sorgen machen – aber diese Furcht ist wie weggeblasen… Und überhaupt – viele Dinge sind seitdem ganz anders… Warum die drei überhaupt eingezogen sind, wo es doch vorher wenig liebevoll zuging im Haus? Ob sie vielleicht wussten, dass sich das ändern würde mit ihrem Kommen…?

    Dann würden Vater und Sohn dann in der Tat mit dem Heiligen Geist identifiziert werden (was du, Torsten, ja vorgeschlagen hast). Und man könnte sehr kreativ werden. Halt mit der typischen Erzählpredigt-Gefahr, dass nicht jeder den tieferen Sinn versteht…

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