Wer ist der Samariter?!

14. Februar 2007

Es gehört zu den Top Ten der Kinderkirch-Klassiker – und irgendwann meint man, es verstanden zu haben: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus Lukas 10,25-37.

Mir war lange Zeit völlig klar, was Jesus mit dieser Geschichte sagen will: »Schau’ nach deinem Nächsten. Er braucht deine Hilfe!« In Andachten usw. betonte ich dabei besonders gerne den Fakt, dass ausgerechnete Priester und Levit den Sterbenden links liegen lassen – auf dem Weg zum Gottesdienst… Ein implizites Plädoyer gegen die kirchlichen Kuschel-Clubs, die sich dem Elend der Welt verschließen.

Ich glaube nicht, dass diese Deutung falsch ist. Ganz im Gegenteil. Die Welt sähe sicher anders aus, wenn es mehr »barmherzige Samariter« gäbe.

Nur hat mich jetzt Carsten auf die Auslegung Martin Luthers hingewiesen – und die hat es in sich. Musste dabei an einen Blog-Beitrag von Achti denken, in dem er die übliche Interpretation der Bemerkung in Joh 3,8, der Wind wehe, »wo er eben will«, ad absurdum führt.

Wenn man die Rahmengeschichte beachtet, in die das Gleichnis eingebettet wird, ergibt sich Folgendes:

  • Ein Schriftgelehrter fragt (Lk 10,25), wie er das ewige Leben gewinnen kann.
  • Jesus lässt seinen Gegenüber (in Lk 10,26f) das »höchste Gebot« – eine Kombination aus 5. Mose 6,5 und 3. Mose 19,18 – zitieren: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.«
  • Jesus erwidert (in Lk 10,28) kurz und knapp: »Tu das, so wirst du leben.« (Nur nebenbei: Was für ein Schlag ins Gesicht für einen gebildeten Tempel-Theologen…!)
  • Es folgt (Lk 10,29) die Gegenfrage: »Wer ist denn mein Nächster?«
  • …auf diese Frage (erst mal keine andere!) antwortet das Gleichnis! Und in Luk 10,37 heißt es dann korrekt: Der Nächste des Überfallenen ist »der die Barmherzigkeit an ihm tat«, also der Samariter.

    Nimmt man diesen Zusammenhang ernst, dann sind nicht wir der Samariter aus dem Gleichnis. Sondern Gott. Und die Schlussaufforderung Jesu – »So geh hin und tu desgleichen!« bezieht sich dann auf die ursprüngliche Aufforderung, Gott – eben den »Nächsten« – zu lieben.

    Und an wem handelt der Samariter, also Gott? Kommen wir dann überhaupt noch vor? Dazu jetzt endlich Martin Luther:

    »Der Mensch, der hie halb todt liegt, verwundet, geschlagen und ausgezogen, das ist Adam und wir Menschen alle. Die Mörder sind die Teufel, die haben uns beraubet und verwundet, und halb todt lassen liegen. Wir zappeln noch ein wenig, aber da liegt Roß und Mann, künnen uns selbs nicht aufhelfen, und wo wir also liegend gelassen würden, so müßten wir sterben für großer Angst, und verschmachten; es würden uns Maden in den Wunden wachsen, und würde Jammer und Noth werden. Das Gleichniß stehet stark da, und malet uns fein abe, was wir sind und vermügen mit unser hohen Vernunft und freien Willen. Wenn ihm der arme verwundte Mensch selbst hätte wöllen helfen, wäre es nur ärger mit ihm worden, er hätte ihm selbs geschadet, hätte die Wunden aufgekratzet, und alleine Jammer und Noth angericht; wäre er denn liegend blieben, so wäre es gleich so viel gewesen. Also gehets, wenn wir uns selbs gelassen sind. Es ist je verloren mit uns, wir greifens an, wo wir wöllen. Bisher hat man ihm also gethan: Man hat mancherlei Wege und Weise erdacht, wie wir wollten gen Himmel kommen, und unser Leben bessern; der hat dieß gefunden, der ander jenes; daher sind auch so mancherlei Orden erwachsen; item, die Ablaßbrief und Wallfahrten; haben aber nur Ubel ärger gemacht. Das ist die Welt, und also ist sie uns in diesem verwundten Menschen fein abgemalet, wie sie liegt in Sünden bis uber die Ohren, kann ihr selbs nicht helfen.

    Aber Christus, der wahrhaftige Samariter, nimpt sich des armen Menschen an, als sein selbs, gehet selbs hin, fordert ihn nicht zu sich; denn da ist kein Verdienst, sondern eitel Gnade und Barmherzigkeit: und verbindet ihm seine Wunden, pfleget seiner wohl, und geußt ihm Oele und Wein drein, das ist, das ganze Evangelion durch und durch. Oele geußt er drein, wenn die Gnade gepredigt wird; als wenn man sagt: Siehe da, du armer Mensch, da ist dein Unglaub, da ist deine Verdammniß, da bist du verwundt und ungesund, halt! Das will ich dir alles heilen mit dem Evangelio. Siehe, da halt dich her an diesen Samariter, an Christum den Heiland, der wird dir helfen, sonst nichts wider im Himmel noch auf Erden.

    Darnach leget der Samariter den Verwundten auf sein Thier; das ist er nu selbs, der Herre Christus, der träget uns, wir liegen ihm auf seinen Schultern, Hals und Leibe. Es ist kaum ein lieblicher Exempel im ganzen Evangelio, denn da sich der Herr Christus (Luc. 15.) einem Hirten vergleichet, der das verlorne Schaf auf seinen Schultern wieder zu der Heerde träget. Er träget noch heutigs Tages immerdar.«

    Mich hat diese seelsorgliche Auslegung sehr berührt. Und bin dankbar, dass Jesus auch mich auf sein »Thier« gelegt hat.

    Luther schließt übrigens noch eine kleine, sehr passende Allegorie an:

    »Der Stall oder die Herberge ist die Christenheit hie in dieser Welt, da müssen wir eine kleine Zeit inne bleiben; der Wirth sind die Prediger des Worts Gottes und des Evangelions, die sollen unser pflegen und warten.«

    …nämlich, bis der Samariter wiederkommt…

    Dieser Beitrag wurde auch bei »PastorBuddy« veröffentlicht.

     

    13 Kommentare zu “Wer ist der Samariter?!”

    1. Carsten meint:

      Inzwischen glaube ich, dass es keine seelsorglichere Geschichte gibt als diese. Jesus kommt und rettet. Und ich kann mich nichtmal dagegen wehren.

      Dazu der Kaufmann: “Wiederum gleicht das Himmelreich einem KAUFMANN, der gute Perlen suchte.” Das Himmelreich ist der Kaufmann, nicht die Perle!
      “Und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte…” Er “entäußerte sich selbst und und nahm Knechtsgestalt an… , erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.”
      “… und kaufte sie.”

      Amen! Was will man mehr? (Mt 13:45f / Phl 2:7f)

    2. Simon meint:

      Tut mir leid – ich versteh es nicht. Warum gehts im Gleichnis um Gott und mich und nicht um eine Handlungsanweisung gegenüber meinem Nächsten?

    3. Carsten meint:

      Weil, Simon, Jesus gar keine andere Antwortmöglichkeit zulässt, wer denn mein Nächster sei: Der Nächste ist der Samariter und eben NICHT der, der unter die Räuber fiel (Lk 10:36).

      Wen soll also der Schriftgelehrte lieben, denn um diese Frage geht es ja eigentlich? Es sind nicht die Priester und Leviten, nicht die Kleriker, SMD-Reisesekretäre, Glaubensbekenntnisse, Ablasse und “purpose driven lives”. Nicht die Ideale, die an ihm vorüber ziehen. Er soll den lieben, der ihn versorgt, pflegt und rettet. Und der sieht keineswegs edel aus. “Da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte… Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet” (Jes 53:2+3). Ein Samariter eben. – DEN soll er lieben.

      Jesu Aufforderung “Geh hin und tue ‘homoios’” (Vers 37) ist im Deutschen missverständlich, weil es nicht klar wird, dass es sich auf das “touto” in Vers 28 bezieht. “Tu das” – “Tu genau das”. Was ist das? Ach ja… lieben! Wen lieben? Den Samariter, du Dummkopf, weil er Dich rettet ohne zu zögern.

      Und wo sind WIR in der Geschichte? An zwei Stellen. 1) Wir sind unter die Räuber gekommen! 2) Wir Christen sind die Herberge und Wirten der geschlagenen Menschheit. DARIN, und NUR darin, liegt unsere tätige Aufgabe. Eine Aufgabe auf Zeit und für Lohn, von dem wir eine Vorrauszahlung haben, aber der erst bei der Rückkehr des Samariters in voller Höhe erbracht wird.

      Wir können nicht die Rolle des Samariters einnehmen, weil diese Rolle schon besetzt ist. Wer glaubt, hier Jesus die Rolle streitig zu machen, leided an Hybris und drohender Hölle. Das wäre ein anderer Jesus und ein anderes Evangelium (2.Kor 11:4).
      Wir retten nicht, wir pflegen, was uns anvertraut ist. Für die Pflege haben wir Öl, Wasser und Brot…. alles Metaphern für das Wort der Versöhnung:

      “Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.
      Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
      So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott! (2. Kor 5:18-20)

      Also, lieber Simon, hier hast Du auch eine anspruchsvolle Handlungsanweisung. Du bist der Wirt… das war ich auch immer im Krippenspiel. Nur, dass DU die Leute nicht abweisen darfst, die Dir Gott ins Haus steckt.

    4. Rabbi.Lydia ;-) meint:

      das ist ein echt guter beitrag. diese kleinen auffälligkeit hab ich auch schon mal vor ner weile bemerkt, hab sie aber nie zuende gedacht. danke!

      und das mit dem himmelreich = kaufmann hab ich auch schon gepredigt. ist echt krass, wenn einem so sachen mal auffallen, die so verschollen unter der üblichen schwammigen christlichen allgemeinbildung herumschwirren…

    5. Simon meint:

      Sehr interessant. Ich verstehe aber immer noch nicht, warum der Nächste Jesus sein soll. Kann es nicht der nette Mensch sein, der mir völlig unerwartet hilft. Wenn es Jesus wäre, dann wäre Jesu Auslegung des Doppelgebots ja so: Liebe Gott und liebe Jesus wie dich selbst. Und dass das gemeint ist, kann ich mir schwer vorstellen.

      Hab ich da einen Denkfehler?

    6. Daniel meint:

      Ja – diese Spannung ist mir auch aufgefallen. An einer Stelle sagt Luther auch deutlich, dass Jesus a) Gott, b) seine Nächsten liebt. Die menschliche Komponente fällt also nicht unter den Tisch. Gerade wir “Frommen” sollten da aufpassen.

      Aber ist nicht schon viel gewonnen, wenn sich die Prioritäten verändern?! Ein Leben vom ersten Gebot her – wäre da nicht “automatisch” alles am richtigen Platz, auch die Ethik?!

    7. Carsten meint:

      Jesu Auslegung ist tatsächlich: Liebe Gott und liebe Gott. Dahinter steht wohl die Erkenntnis, dass “alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe [...] von oben herab” kommt (Jak 1:17).

      Die Hilfe zeigt sich in vielerlei Gesichtern, in Menschen, die Dich versorgen leiblich und geistlich. Dennoch bleibt: Sie retten nicht. Sie lassen weder Nahrung wachsen noch sterben sie an Deiner Stelle. Das macht alleine Gott.

      Dann sind die Nächsten also diejenigen, die Gottes Eingreifen sichtbar machen: Die Bauern, die Regierung, die Ärzte… mein Papa, meine Mama und Schwester Esther, durch die ich zum Glauben kam. Die sollen wir lieben. Durch sie handelt Gott unabhängig davon ob sie es wissen oder nicht, und ob sie es wollen oder nicht.

      Nur eine Sache dürfen wir nicht glauben: Dass die Opfer die Nächsten seien und wir sie zwanghaft lieben müssen. Welch ein Krampf.
      Christsein klingt anders: “Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.” (1. Jo 4:19).

      Es geht nach wie vor um die Frage, wie wir in den Himmel kommen. Indem wir Gott lieben und den Nächsten. Wer ist denn mein Nächster? ACHTUNG: Wörtlich heißt es: Der Barmherzigkeit erwiesen hat! Und das war nicht nur der Samariter, sondern auch der Wirt. Gott hilft durch viele Menschen, die seinen Willen tun, denn Gott “will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.” (1.Tim 2:4)
      Um das Opfer geht es aber gar nicht in der Geschichte. Der Samariter bringt uns ins Himmelreich, darum geht es.

      Deshalb kann ich sagen, der Samariter ist immer Gott, selbst wenn er durch gottlose Menschen handelt.

    8. Simon meint:

      Hmm, ich kaufe das noch nicht.

      Erstmal lese ich die Auslegung “Liebe Gott und liebe Gott.” eben nicht bei Jesus/im Text – insofern wäre es Luthers Auslegung von Jesu Auslegung.

      Um Rettung im Sinne von “in den Himmel kommen” geht es meiner Lektüre nach hier überhaupt gar nicht. Das ist wohl ein neuzeitlich-evangelikales Mißverständnis, dass ewiges Leben ausschließlich mit dem Leben nach dem Tod zu tun hätte. Der Jude, der hier fragt, denkt hier doch wohl aller Wahrscheinlichkeit nach (zumindest auch) sehr diesseitig im Sinne von “Fülle des Lebens”.

      Ich halte diese Auslegung, den Nächsten im Sinne von meinem wirklichen Nächsten (anderen Menschen) aufzulösen, nicht nur für verkehrt, sondern auch für bedenklich. Meiner Ansicht nach verabschieden wir die ethische Komponente dessen, was es heißt, am Reich Gottes teil zu haben, oft viel zu schnell – in jedem Fall viel schneller, als das, was die Evangelien von Jesu Predigt berichten. Das, was für ihn zählt, wenn der Menschensohn wieder kommt, sind eben genau (auch) ethische Taten.

      Ich liebe Luther und kenne seine Auslegung hier nicht – aber wenn sie so sein sollte, wie du schreibst, halte ich sie für falsch.

    9. Daniel meint:

      Hmm…kann es sein, dass der Fehler etwa dort beginnt, wo wir zu trennen beginnen? Im “Nächsten” NUR noch Gott oder NUR noch den Nächsten zu sehen? Ist das nicht das Problem, dem in Deutschland einerseits die evangelikale Bewegung der 70er und 80er, andererseits (zur selben Zeit) die “Liberalen” auf den Leim gegangen sind? Besteht das Ziel der “emerging church” nicht gerade darin, zusammenzudenken, was bei Jesus nie getrennt war?!

      Spannend…

    10. Carsten meint:

      Viele Texte in der Bibel sprechen von ethischen Anweisungen Jesu. Dieser sagt nur: Geh hin und tue “dementsprechend”. An diesem Wort hängt unsere Diskussion, denn ich glaube, es bezieht sich auf “Liebe deinen Nächsten”, Simon glaubt, es bezieht sich auf “Barmherzigkeit erweisen” und Daniel glaubt (wie Luther) an beides.

      Meine Argumente liegen auf dem Tisch. Sie haben mich aber selbst auch erst nach einem dreiviertel Jahr überzeugt, als ich mein Leben beenden wollte, um diesen ethischen Pflichtenkatalog los zu sein. NIE wurde mir bedingungslose Annahme ohne Fußnoten gepredigt. Ständig war dieser Matthäus-25-Verschnitt dabei, der Jesus zum Wortbrecher macht. Tut er nicht, aber so wird er gepredigt.

      Was wäre das für ein Evangelium, wenn ich nicht den Himmel auf Erden predigen würde? Dieses “neuzeitlich-evangelikale Mißverständnis” liegt in keinem meiner Beiträge vor!

      Ich will nur eins: Ohne Fußnoten Gottes bedingunglose Annahme anderen Menschen zusprechen können, egal ob sie bereits Christen sind oder nicht.
      Und jetzt will ich doch noch ein zweites: Ich will selber auch getröstet werden. Ich will mir Christsein nicht antrainieren, wie ich es bei den Pharisä…ääh Pietisten gelernt habe. Simul justus et peccator. Ich will sündigen, bis es mir stinkt und ich mich endlich in die Herberge bringen lasse. Vielleicht werde ich ein Wirt. Ich hoffe es sogar. Dazu macht mich aber Jesus, wenn überhaupt.

      Und jetzt ärgere ich mich. Nicht über Simons Statement, sondern, dass ich nicht in der Lage bin ihn mit Worten zu überzeugen. Ich kann mich nur wiederholen und das macht es nicht verständlicher.

      Naja, verstanden hast Du mich sehrwohl, Simon, nur hälst Du es für falsch. Bitte überführe mich anhand der Schrift, denn ich will Dich auch gerne verstehen. Gott ist mächtig genug, um uns beiden die Leviten dabei zu lesen. (Und Daniel auch, denn sein billiger Spagat ist nur der Erguss einer altkirchlichen Häresie, dass Jesus immer auch ein Exempel darstellt… wenn er das ernst meint, wird er sich bald auch ans Kreuz schlagen lassen.)

    11. Daniel meint:

      “Billiger Spagat”? ;) OK – was bei Jesus ganz einfach so war, sollten wir nicht unbedingt nachahmen. Das stimmt.

      …aber ich habe es eben auch schon erlebt, dass ich ins Staunen über Jesus geraten bin…und gerade DADURCH anderen vergeben konnte. Oder auch mal Gutes tun konnte. Das fühlte sich aber überhaupt nicht nach “Antrainieren” an. Es kam einfach so. Verstehst du?!

      Was Matthäus 25 usw. angeht: Ich glaube mittlerweile, dass die Bibel Dinge zusammenbringt, die wir nicht gegeneinander aufwiegen dürfen…weil dann nix Halbes und nix Ganzes dabei rauskommt. Insofern ist es vielleicht wirklich ein “billiger Spagat”…an dem man aber nicht vorbei kommt.

    12. Simon meint:

      Carsten – es tut mir leid, wenn mein Unverständnis Ärger bei dir auslöst und es kann wirklich gut sein, dass ich es einfach noch nicht verstanden habe. Aber ich bin schon jetzt dankbar für den Hinweis, dass man dieses Gleichnis so verstehen kann, dass es nicht darum geht, so wie der Samariter zu handeln, sondern so wie der, dem geholfen wurde. Das war mir vorher nicht so bewusst gewesen und ich verstehe jetzt, dass das “dementsprechend tun” also die Liebe zum Samariter sein kann.

      Mein eher allgemeiner Kommentar zur Ethik und Mt 25 entsprang auch nur meinem Empfinden, dass wir diese Bibelstellen meiner Ansicht nach oft leider nicht ernst genug nehmen, diese aber mit der zweifellos wichtigen und richtigen Botschaft von der völlig un-verdienten Gnade Gottes für uns zusammengedacht werden wollen. Du hast recht, dass ethische Predigt alleine völlig ins Abseits führt und kann gut verstehen, wie einen so etwas in die Verzweiflung treiben kann.

      Insofern stimme ich dir völlig zu in allem, was du über Gottes Gnade und unsere Rechtfertigung durch ihn schreibst – ich sehe dieses Thema nur (bisher) nicht im Text und möchte diesen einfach ernst nehmen. Mein Empfinden ist, dass man die Geschichte aus dem Gleichnis als Bild gut mit dem Ereignis der Rechtfertigung parallelisieren kann, nicht aber, dass das Gleichnis und die Handlungsaufforderung etwas über dieses Thema aussagen wollen. Wenn auch Jesus oft rätselhaft spricht, dürfte doch allen Zuhörern in dieser Situation und den Lesern des Evangeliums das alttestamentliche Nächstenliebegebot vor Augen gestanden haben, in dem ja nun wirklich um den nächsten Menschen ging.

      Das beides, Gott lieben und die Menschen lieben, unmittelbar zusammengehört und manchmal auch eins ist, halte ich außerdem für völlig richtig.

      Also, nochmal meine Entschuldigung, wenn meine flapsigen Kommentare Ärger ausgelöst haben – es kann gut sein, dass ich falsch liege und lerne gerne dazu. Simon

    13. Carsten meint:

      Woher soll ich denn wissen, dass ich Recht hätte?
      Am Ende wundere ich mich noch, dass mich Jesus zu den Böcken stellt, obwohl ich doch nur den Text gelesen und mich über die Gute Nachricht darin gefreut habe.

      Habe den ganzen Tag über Schafe, Früchte und Wirte nachgedacht. Und jetzt bin ich verwirrter als zuvor. Verwirrt darüber, dass ich nicht verstehe aus welchem Grunde jemand noch gute Werke MACHEN will, wenn sie doch so oder so passieren. Oder müsst ihr euch etwa noch für “das Gute” entscheiden, wenn die Entscheidung für Jesus schon lange getroffen ist? Wieso sollte jemand nicht mehr helfen wollen, wenn er die Welt mit den Augen Jesu wahrnimmt?

      Ich hänge noch am Text: Es ist doch unsinnig für den Samariter uns selbst in die Geschichte zu stellen, als Helfer, weil dann das Fazit der Geschichte ist, dass wir geliebt werden sollen. Ich könnte das noch weiter ad absurdum führen, will es aber nicht um der Ernsthaftigkeit willen. Reine Textbetrachtung.

      Simon, ich ärgere mich nach wie vor nicht über Dich. Im Gegenteil, deine Rückfragen bringen mich so richtig ins Nachdenken. Nur, es wird mir einfach nicht klar, warum du noch andere biblische (und richtige) Aussagen in diesen Text hineinträgst. Exodus 20, Matthäus 25, Jakobus 2 usw. sind Kennzeichen zur Unterscheidung der Glaubensfrüchte (Ethik). Sie stehen aber sprichwörtlich auf einem anderen Blatt.

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