Wenn der Adapter fehlt…

20. April 2009

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Da habe ich doch tatsächlich ein Buch von Adrian Plass entdeckt, das mir bisher entgangen war… 2006 wurde es ins Deutsche übersetzt – »Licht im Herzen der Finsternis« von Adrian und Bridget Plass. Es passt inhaltlich gut zum 2000/2001 erschienenen, ebenfalls zu zweit verfassten Bericht »Jesus kam bis Bangladesch« – damals schon übrigens begann die enge Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk »World Vision«.

Auch dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen. Typisch Plass: Da ging es gerade noch um die leidigen Erfahrungen mit diversen »Universal«-Adaptern für Steckdosen in fremden Ländern (»[a]ls die erfahrenen Reisenden, die endlich zu werden wir zwei Jahrzehnte gebraucht hatten, ignorierten wir den Adapter, der in jedem Winkel des Sonnensystems außer Südafrika funktioniert hätte und griffen zielsicher zu einem Set aus neun oder zehn verschiedenen Netzkabeln«…) – und dann berichtet Adrian von seiner ersten Begegnung mit einer AIDS-Kranken:

AIDS. Gürtelrose. Tod. Wo ist mein Glaube? Ich schaffe es, meine Gesichtszüge in der Gewalt zu behalten, doch in mir braucht sich eine zunehmende Panik zusammen. Ich wühle in meinem Herzen und meinem Verstand herum und suche nach meinem Glauben. An der Stelle, wo sonst immer meine Überzeugungen waren, scheint jetzt ein Vakuum zu sein. Die Kraft ist weg. Der Strom ist aus. Unser kleines Adapter-Set fällt mir ein. Ja, das ist es. An diesem von Armut gebeutelten, von Krankheit verwüsteten Ort gibt es nirgends eine Steckdose, an die ich meinen Glauben anschließen könnte. Es ist ein Glaube, der in einem Land geboren und genährt wurde, wo es immer reichlich zu essen gibt und Medikamente immer verfügbar sind, wo wir uns den Luxus leisten können, in wohlgenährten Gruppen zusammenzusitzen und Bibelverse auseinander zu nehmen und einander zu sagen, dass wir den Eindruck haben, der Herr sage dies oder jenes zu diesem oder jenem über irgendeine belanglose Sache, die sowieso nie irgendjemanden ernsthaft betreffen wird. Rois, ich habe dir nichts zu bieten. Alles, was mir eben noch so viel bedeutet hat, ist auf einmal weg. Der Strom ist ausgefallen, und ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie ich ihn wieder anschließen und zum Fließen bringen kann.
Mir ist zum Heulen, aber Bridget und ich sind nicht zum Heulen hergekommen. Wir sind hier, um zu beobachten und uns Notizen zu machen und später ein Buch zu schreiben, das in Zukunft Leuten wie Rois vielleicht tatsächlich helfen kann. Wir sind hier, um zu lernen, dass Jakobus, der Bruder Jesu, Recht hatte, als er sagte, wahrer Glaube bestehe darin, den Witwen und Waisen zu helfen und sich nicht von der Welt besudeln zu lassen.
Daran schließ dich an, sagt Gott, und ich kümmere mich um den Strom.

Ich heule selten. Wirklich. Aber hier…

Judith und ich haben ein »World Vision«-Patenkind in Tansania. Und im Sommer machen wir eine dreiwöchige Busreise quer durch Afrika. Ich hoffe und bete, dass es kein gewöhnlicher Urlaub wird.

Dieser Beitrag wurde auch bei »PastorBuddy« veröffentlicht.

 

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