Weiterer Widerspruch

18. Mai 2013

Dem Einsatz eines persönlich betroffenen Ehepaars ist eine längst fällige Gesetzesänderung im deutschen Personenstandrecht zu verdanken: Auch die so genannten »Sternenkinder« – tote Kinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm – gelten ab sofort als Menschen, können also zum Beispiel einen offiziellen Namen tragen oder ganz regulär bestattet werden.

Im Licht dieser guten Nachricht allerdings wirft eine merkwürdige Ungleichbehandlung einen um so längeren Schatten: Sobald ein Kind diesseits der alten Gewichtsgrenze als »ungewollt« gilt – von medizinischen Indikationen ist ausdrücklich nicht die Rede –, spielt sein neu zugesprochenes Menschsein offenbar keine sonderlich große Rolle mehr. Paragraph 218a des Deutschen Strafgesetzbuchs schillert mehr denn je.

Diesen Widerspruch gilt es ganz offen wahrzunehmen. Vielleicht verhilft er nach und nach zu einer neuen Perspektive. Zu Vereinfachungen komplexer Lebenslagen und zu Vorverurteilungen berechtigt er allerdings nicht.

 

Deine Meinung?!