»Was soll ich glauben?«

12. Februar 2007

Die »ZEIT« startet eine neue Serie »über Fluch und Segen der Weltreligionen«. Das ist an sich noch nichts Besonderes. Religion ist wieder trendy.

Doch platt-überholte Floskeln im »SPIEGEL«-Stil suche ich hier vergeblich.

Stattdessen entdecke ich:

  • Eine kritische, gerade darin aber konstruktive »Störung« von Harald Martenstein: Weil die westliche Kirche »sich selbst nicht mehr ganz ernst« nehme, sei sie zum belanglosen Service-Anbieter geworden. Auf diese Weise könne sie sich ebenso gut selbst abschaffen.
  • Ein geschickt moderiertes Streitgespräch zwischen Walter Kardinal Kasper und Peter Sloterdijk. Die wesentlichen Punkte kommen hier ins Blickfeld.
  • Ein beeindruckend differenzierten Artikel über die “christliche Revolution” – 2000 Jahre Kirchengeschichte auf einer einzigen (allerdings gewohnt großen) Seite. Nicht nur als angehender Pfarrer bewegt es mich zutiefst, wenn der Autor am Schluss über die »geistlichen Gesprächspartner« berichtet, mit denen er sich eigentlich doch nur zu Recherche-Zwecken unterhalten hat: »Sie lassen einen schon staunen. So frei und offen wie mit ihnen lässt sich außerhalb des engsten Familien- und Freundeskreises kaum über den Tod, die Liebe und den Sinn reden. Dabei wirken sie selten durch ihr Amt gehemmt, eher von ernster Gelassenheit geprägt. Und sie reden nicht wie Therapeuten über diese Fragen, sondern als Leute, die es selber betrifft. Was vor 2000 Jahren begann, es glüht noch immer.« Ich weiß, dass Kirche allzu häufig nicht diesen Eindruck vermittelt. Um so schöner, dass es doch vorkommt.
  • Da ist es nur konsequent, dass sich die siebte (und letzte) Folge der Serie mit dem sogenannten Unglauben beschäftigen wird – und somit quasi nebenbei verdeutlicht, dass es so etwas wie Neutralität eben nicht gibt. Schon gar nicht, wenn es um persönliche Glaubensdinge geht.

    Ich bin beeindruckt. Wir Christen schimpfen oft über die Medien. Aber solche Lichtblicke sollten uns eigentlich Mut machen!

     

    Ein Kommentar zu “»Was soll ich glauben?«”

    1. Daniel meint:

      …die genannte Serie finde ich nach wie vor klasse. (Heute folgten die Feedbacks auf der Leserbriefseite – meins war mit dabei! :) )

      Der große Test »Welche Religion müssten Sie haben?« hat mich zunächst überrascht…

      …dann geärgert: Wenn die »christliche« Antwort auf die Frage »Woher komme ich?« lauten soll: »Aus der Sünde«, dann ist das vielleicht augustinisch, aber nicht unbedingt biblisch, würde ich sagen… Und dass ich lebe, »um mich auf die Prüfung für die Ewigkeit vorzubereiten« – na ja.

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