Volxbibel

18. März 2007

…dieser Beitrag könnte mich einen Teil meiner Leserschaft kosten. Sei’s drum – ohne Risiken geht’s im Leben nicht…

Ich finde die Volxbibel gut.

Nein, ich bin nicht harmoniebedürftig. Auch (oder gerade!) im Bereich der Kirche gibt es genügend Konflikte, die unbedingt ausgetragen werden müssen – weil es letztlich um die Wahrheit geht.

Nein, ich bin nicht für jede moderne Bibel»übersetzung«. Die »Bibel in gerechter Sprache« z.B. halte ich für einen handfesten (nicht nur theologischen) Skandal.

…und um den Verdacht abzuwehren, mein Statement sei ein Pauschalurteil, einfach – in loser Reihenfolge – ein paar Anmerkungen. Hintergrund ist dabei die heftige geführte Debatte über das Buch.

  • Bei der Auseinandersetzung um ein Buch sollte es primär um den Inhalt gehen, nicht um den persönlichen Geschmack über den Autor bzw. Initiator. Martin Dreyer mag »40 sein, aussehen wie 30 und reden wie 15« (wie es einmal in einer Rezension über die Erstpräsentation auf der Frankfurter Buchmesse hieß). Na und?! Das ist gerade im Blick auf Zielgruppe der »Volxbibel« alles andere als ein Nachteil.
  • Die Herausgeber weisen im Vorwort der »Volxbibel« deutlich darauf hin, dass es sich um eine bewusst freie Bibelübertragung handelt – und empfehlen für detailliertere Blicke die Anschaffung der (sehr exakten) Elberfelder-Übersetzung. Damit wird auch deutlich, dass ein liturgischer Gebrauch der modernen Texte im Gottesdienst etc. gar nicht angestrebt wird (der wäre in der Tat fragwürdig…).
  • Ein eigens angefertigtes »Anwenderhandbuch« (im selben Layout) bietet weitere Erklärungen, eine Skizze der Entstehungsgeschichte u.v.m. – und spricht somit gegen den Vorwurf einer leichtfertigen Veröffentlichung.
  • Dass die »Volxbibel« Gottes heiligen Namen verunglimpft – dieses Gefühl stellt sich einfach nicht ein bei meiner (sorgfältigen!) Lektüre. Vielmehr spüre ich ein engagiertes Ringen: Junge Leute sollen sich für Jesus entscheiden! Wenn das Gott keine Ehre macht…
  • Auch der biblische Urtext ist keineswegs zimperlich, was die Wortwahl angeht. Prominentes Beispiel: Philipper 3,7 (»Sch…« ist richtig, aber »Schaden« – Lutherübersetzung – ist eindeutig zu vorsichtig…).
  • So ausgelutscht das Zitat auch sein mag – die Entscheidung Martin Luthers, »dem Volk aufs Maul zu schauen«, bleibt auch in der Gegenwart wertvoll. Und dass es genügend potenzielle Bibelleser gibt, denen die letzte Überarbeitung der Lutherbibel (von 1984!) unverständlich bleibt, ist naheliegend.
  • Die »Volxbibel« bringt definitiv Menschen mit der Bibel in Kontakt, die sonst nie einen Blick ins »Buch der Bücher« werfen würden. Das sollte man m.E. einfach mal dankbar konstatieren.
  • …angesichts dieser Erfahrungen ist es mir völlig unverständlich, wie (überwiegend evangelikale!) Christen guten Gewissens Unmengen von Zeit in einen völlig überzogenen Abwehrkampf stecken können – anstatt selbst positiv an der Weitergabe des Evangeliums mitzuwirken.
  • …so viel von meiner Seite. Jetzt kann diskutiert werden!

     

    4 Kommentare zu “Volxbibel”

    1. Achti meint:

      Ich stimme uneingeschränkt zu. Sogar mein Chef (damals im Marketing) hat sich die Volxbibel angeschafft. Freiwillig.
      Gerade in den Briefen geben einige Passagen sehr treffend den gemeinten Sinn wieder.

    2. martin meint:

      sicherlich ist die volxbibel nicht jedermann ding. schon der gewohnheit gegenüber des “lutherdeutschtums” in sakralen kreisen. da die sprache auf unseren sprachen nunmal durch anglizismen und “muslizismen” (“isch geh karstadt.”) geprägt wird, sollte auch das wort, des nunmal LEBENDIGEN gottes, in die sprache der “verstoßenen” übersetzt werden. in die sprache derjenigen, die in die stadträndern essens und anderswo wohnen und keiner allzu rosigen zukunft ins gesicht sehen. gerade die müssen doch das wort verstehen können, die in den talkshows (fast täglich!) ihre kaputten beziehungen der deutschen fernsehwelt offenbaren. und da kann ich nur sagen voll korrekt – oder amen! – und gerade auch das, was gott durch die freaks angestoßen hat, ist wie das werk eines zinzendorf revolutionär. – erst belächelt und dann hat es das gesicht der welt verändert.

    3. Dave meint:

      @Achti. Was? Der hat sich die Volxbibel angeschafft? Ich bin begeistert. :-)

    4. Martin Dreyer meint:

      DANKE. Gerade erst gelesen. Ist wohl schon Schnee von Gestern. Aber ich freu mich trotzdem über jeden denkenden Menschen, der mit der Volxbibel (trozdem/auch/gerad) etwas anfangen kann.

    Deine Meinung?!