Viel zu vier

7. September 2013

Meine Meinung zum Fliegen war bisher ziemlich klar: Ist umweltschädlich (und deswegen viel zu billig). Sollte man nach Möglichkeit lassen. Unsere Urlaubsreise nach Teneriffa diesen Sommer war denn auch als vorläufiger Schlussstrich gedacht.

… ausgerechnet bei diesem Anlass aber flog mir ein Flyer in die Hände – zur Kampagne »Die-Vier-Liter-Flieger.de«. Deren entscheidende These: Ein Passagier braucht beim Fliegen im Schnitt weniger als vier Liter Treibstoff auf 100 Kilometer. Also weniger als im Auto, – zumindest wenn er oder sie alleine drinsitzt.

Natürlich sind die Herren, die einem da überzeugt-freundlich entgegenlächeln, allesamt nicht sonderlich unverdächtig. Allerdings: Ihre Berechnungen wirken überzeugend. Oder doch nicht?

Immerhin: Mein Unbehagen speziell gegenüber Kurzstreckenflügen bleibt berechtigt. Bei Strecken unter 800 Kilometern steigt der Verbrauch auf fünf bis sieben Liter pro Person. Der attraktive Durchschnittswert profitiert von den langen Distanzen. Die ohne Flugzeug gar nicht zurückgelegt werden könnten, zumindest nicht in vertretbarer Zeit. Es gibt also gar keine mögliche Alternative mit größerem Verbrauch. Und hier verbirgt sich das entscheidende Gegenargument, glaube ich. Die Kampagne tut so, als seien die zurückgelegten Personenkilometer eine feste Größe, mit der die Luftfahrt dann besonders energieeffizient umgehe. Dass die Luftfahrt aber zugleich Ursache ist – und dass eine Autofahrt an die Nordsee wegen des geringeren absoluten Verbrauchs immer ökologischer ist als ein Flug nach Übersee –, fällt unter den Klapptisch.

 

Ein Kommentar zu “Viel zu vier”

  1. Steffen meint:

    “Der attraktive Durchschnittswert profitiert von den langen Distanzen. Die ohne Flugzeug gar nicht zurückgelegt werden könnten, zumindest nicht in vertretbarer Zeit.”
    Das klingt etwas nach: Ohne die Entdeckung der Elektrizität würden wir sicher weniger Energie verbrauchen.
    Ich denke, der Mix macht`s.
    Eine (freie) mobile Gesellschaft braucht das Fliegen ebenso wie das Auto und öffentliche Verkehrsnetze.
    Der Kostendruck (der Markt) zwingt uns dann zu Effizienz und somit zu Umweltschutz.
    Staatlicher Regulierung stehe ich aus eigener Erfahrung extrem skeptisch gegenüber.

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