Vergebens

27. November 2009

Unser Faxgerät kann predigen. Zumindest mit Hilfe eines gewissen Herrn aus Hamburg, der (ausgewählte?) deutsche Pfarrämter regelmäßig mit seinen geistlichen Impulsen bedenkt. Deren – sprachlich gekonnt präsentierter – Inhalt lässt sich knapp und präzise zusammenfassen: Die hiesige Christenheit ist geschlossen der Sünde verfallen und verloren. So ziemlich jedes Detail gilt als Beleg dafür. Der Prediger selbst dagegen ist berufen und die Unschuld in Person. Wer das irgendwie hinterfragt, zweifelt an Gottes Offenbarung – und bestätigt die Wahrheit der Verkündigung. Ein Totschlag-Argument wie aus dem Bilderbuch.

Trotzdem: Mich reizt es, auf solche Schreiben zu antworten. Und die Brandbriefe präsentieren (immerhin!) eine Postadresse. Schickte also eine kurze Gegenrede mit provokanten Fragen (»Was bezwecken Sie überhaupt mit solchen Texten?« etc.). Brachte natürlich nix.

Nach ein, zwei Briefwechseln kam mir ein Charles Haddon Spurgeon zugeschriebener Satz in den Sinn: »Wenn du einem Hund ein vergiftetes Stück Fleisch wegnehmen willst, musst du ihm ein gutes geben.«. Und ich schickte dem werten Prediger einfach eine eigene Predigt.

Die Antwort ließ ein wenig auf sich warten. Aber dann kam sie:

Freundlichen Dank für Ihre Darstellungen und ausführlichen Betrachtungen über Knecht und Gaben und über die Bedeutung des Weinbergs.
Sie haben eine psychologische Sicht vorgestellt.
[...]
Es grüßt Sie freundlichst aus Hamburg und möchte hoffen auf einen glücklichen und freudigen Weg in Christus.
Ihr [Name]

Eine »psychologische Sicht«, so so. Klingt nicht sonderlich wertschätzend. Aber dann sah ich die Antwortbrief an andere Kollegen (die meinem Schreiben einfach beilagen):

Sehr geehrter lieber Herr Pfarrer [...],
Sie haben leider stets nur die halbe Wahrheit gepredigt und die Augen vor der Gerechtigkeit geschlossen.
[...]
Überlegen Sie genau was Sie tun!
[...]

Und:

Sehr geehrter lieber Pfarrer [...],
[...]
Sie sind in der Anwendung von Begriffen leichtsinnig und urteilen willkürlich, ganz nach Gefühl und nicht gem. der Gnadengaben in wahrer Unterscheidung.
[...]

Da war ich ja nochmal gut weggekommen…

Wirklich angemessen gegenüber dem Hamburg-Jünger ist vermutlich nur die folgende Reaktion (auch sie lag einem Schreiben bei, als erneuter Nachweis von Rechtgläubigkeit, fürchte ich…):

 

4 Kommentare zu “Vergebens”

  1. Alex meint:

    Hey, dann müsste das was für dich sein (anderes Genre, aber ähnliche Methode):
    http://tinyurl.com/ycx2mym

  2. Tobi meint:

    Gibts bei Faxen keinen “Spamfilter”, also Blockieren der sendenden Nummer?

  3. Martin meint:

    Nutzen eigentlich nur noch Christen Fax und Musikkassetten? Ich hab ja nix gegen analoge Geräte. Nur sind Predigtpodcasts einfacher, verschwenden kein Papier…

  4. Daniel meint:

    @ Alex: Das ist ja sehr, sehr cool…!

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