Unverhofftes Erbe

17. Februar 2008

Neulich im Fernsehen: Einblicke in den Arbeitsalltag einer weitgehend unbekannten Berufsgruppe: Erbensucher. Leute, die Tage und Wochen auf Ämtern und in Archiven verbringen – um sich dann womöglich auf Reisen zu begeben: In den USA, auf Grönland und sonstwo werden dann Menschen über ein – in der Regel beachtliches – Erbe informiert, das ihnen zusteht.

Es sind ergreifende Begegnungen, die sich da abspielen: An der Haustür erfährt ein ärmliches Ehepaar von mehreren Tausend Dollar, die ihm jetzt gehören. Oder die Großfamilie im verfallenen Wohnblock hört vom geräumigen Haus einer um vier Ecken verwandten verstorbenen Großtante. Viele der Betroffenen – oft Aussiedler – wussten gar nichts mehr von ihren familiären Verbindungen – geschweige denn von den gewaltigen Summen, die sie da erwarteten… Und erfahren ihre Angehörigen als bislang unbekannte Wohltäter. Kann mich noch an die Rudi-Carrell-Show »Lass dich überraschen« und ihre aufwändig recherchierten Familienzusammenführungen erinnern – das war in etwa dasselbe Feeling

Heute im Gottesdienst – es ging um Abraham und das Land, das er erben sollte (Hebräer 11,8) – schoss es mir durch den Kopf: Der Glaube an Gott ist ein ganz ähnliches Erbe. Eine gewaltige Summe…von der wir vorher nichts geahnt haben – und die doch für uns gedacht ist. Eine Familie…die wir nicht (mehr) kannten, vergessen hatten – und zu der wir doch von Anfang an gehören. Ein Vater (der auch wie eine Mutter ist!). Eine Gemeinschaft von Geschwistern. »Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben« (Joh 1,11f).

Manche von uns waren auf Erbensucher angewiesen. Und was für eine Vorstellung, dass man als Pfarrer (aber nicht nur als Pfarrer!) was ganz Ähnliches wird…

 

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