Unverhältnismäßig

31. März 2012

Als Volumen für den Euro-Rettungsschirm sind bis zu einer Billion Euro im Gespräch.

Während der Finanzkrise wurden Banken für über 30 Milliarden wieder flott gemacht.

Für die Sanierung der Automarke Opel warf die Regierung staatliche Bürgschaften in Höhe von 4,5 Milliarden Euro ins Rennen.

Die Transfergesellschaft für die insolvente Schlecker-Drogeriemarktkette hätte einen Kredit in Höhe von 70 Millionen (Millionen!) Euro benötigt. Hätte. Denn dafür gibt’s kein Geld. Armes Deutschland.

 

3 Kommentare zu “Unverhältnismäßig”

  1. Johannes meint:

    Ich bin kein Experte in wirtschaftlichen Angelegenheit, aber ich glaube, man muss hier schon zwischen Bürgschaften und echten Krediten/ausgezahltem Geld differenzieren. Die Bürgschaften haben eher einen psychologischen Effekt und werden im besten Fall nie ausgezahlt. Bei Schlecker wäre sofort echtes Geld fällig gewesen.

    Und dann gibt es da noch die Kosten-Nutzen-Rechnung: 30 Milliarden sind nicht viel, um eine Inflation (betroffene Personen: mindestens 80 Millionen Bürger Deutschlands, vermutlich der ganze Euroraum) zu verhindern.

    70 Millionen hingegen sind viel Geld für eine Firma (“nur” ein paar tausend Angestellte, die auch woanders arbeiten können), die offenbar ein nicht tragfähiges Geschäftskonzept hat und dazu noch moralisch fragwürdig arbeitet.

  2. Daniel meint:

    … das dachte ich im ersten Moment auch. Irgendjemand sagte während der Debatte: »Im Kapitalismus ist es normal, dass ab und zu ein Unternehmen pleite geht.« Fand ich einleuchtend. Was dann aber nicht ins Bild passt, ist die Opel-Rettung, oder? Oder war die wichtiger, weil Deutschland halt ein Auto-Land ist?! Bzw. weil bei Opel mehr Männer arbeiten?

  3. Johannes meint:

    Fände ich einleuchtend. Das Image ist ein Markwert für sich. Dazu kommt vielleicht, dass in der Automobilindustrie viele Zulieferbetriebe (auch Innovationsdienstleister/Ingeniuersbüros) von den Konzernen abhängen. Es geht also nicht nur um die eigenen Mitarbeiter. Die Schleckerzulieferer haben dagegen vermutlich noch genug andere Abnehmer.

    Ich denke, das schlagende Argument ist nicht in erster Linie die Anzahl der betroffenen Personen (dann müsste ich auch gerettet werden, wenn ich pleite gehe), sondern der vermeintliche/vermutete volkswirtschaftliche Schaden, der durch die Pleite entsteht.

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