Unnütze Jünger

29. April 2013

Erstens einmal bin ich eine Art Atheist. Christus und so habe ich wohl gern, aber aus dem übrigen Zeug in der Bibel mache ich mir nicht viel. Zum Beispiel diese Jünger: die ärgern mich wahnsinnig, wenn ich ehrlich sein soll. Nachdem Christus tot war, benahmen sie sich zwar anständig, aber solange er noch lebte, nützten sie ihm ungefähr ebensoviel wie ein Loch im Kopf. Sie ließen ihn immer nur im Stich. Fast alle Leute in der Bibel sind mir lieber als die Jünger.

Holden Caufield, Protagonist und Ich-Erzähler in Jerome David Salingers Roman »Der Fänger im Roggen«, trifft den Nagel auf den Kopf. Und lässt sich trotzdem noch einreden, Atheist zu sein (oder zumindest »eine Art«) …

 

10 Kommentare zu “Unnütze Jünger”

  1. C.Jacoby meint:

    Schade…
    Ich werde immer traurig wenn ich so was höre.
    Wer so über die Junger spricht hat leider etwas übersehen.
    Erstens ist ist es sehr erstaunlich das die Autoren des Neuen Testaments die Jünger so schlecht aussehen lassen obwohl sie diese teilweise noch kannten und sie in der ersten Gemeinde hoch angesehen waren. Das zeugt von einer Selbstkritikfähigkeit die seines gleichen sucht. Hier hat niemand seine einengen Fehler zugedeckt wie viele anderen Menschen es gerne tun.
    Wer so über die Jünger denkt, sieht nicht wie ungerecht er dabei über sie urteilt.
    Wäre ich selbst in ihrer Situation Jesus überhaupt gefolgt? Wär ich nicht eher wie der Reiche Jüngling traurig davon gezogen nachdem Jesus mich aufgefordert hätte mitzukommen? Oder wäre ich sogar nicht eher ein Gegner Jesu gewesen?
    Ich glaube, dass die Jünger das beste aus sich raus holten was wir Menschen überhaupt raus holen können.
    Nur wenn wir anerkennen das wir erstens eben nicht besser als die Jünger sind und vielleicht auch ahnen, dass sie sogar besser sind als die allermeisten von uns, wird die Tragweite ihres Versagens erst richtig deutlich.
    Mit ihnen hat das Beste im Menschen versagt.
    Mit ihnen hat die ganze Menschheit versagt.
    Mit ihnen habe auch ich versagt.
    An ihnen lerne ich das ich selbst nichts vorweisen kann.
    Wenn schon diese Freunde von Jesus ihn nicht verstanden und ihn verlassen haben, wer bin dann erst ich? Wenn schon ihre Kraft nicht reicht, kann meine dann reichen? Wenn schon sie, auf die Gnade und Liebe angewiesen waren die Jesus schenkt, kann ich dann darauf verzichten? Meine ich tatsächlich, ich wäre besser als Petrus? Der war bereit für Jesus kämpfend zu sterben. Nur kampflos in die Verzweiflung zu gehen, das konnte er nicht. Schauen wir nicht nur deshalb auf die Jünger herab weil sie uns den Spiegel unserer Schwächen vorhalten? Weil wir Angst haben Jesus ebenso zu enttäuschen? Nur wenn wir anerkennen, dass diese Schwächen unsere eigenen sind und wir lernen, dass sich echter Glaube nicht auf unseren Stärken aufbaut sind wir sicher davor nicht die gleiche Lektion wie die Junger auf die harte Weise lernen zu müssen. Sie mussten bitter erkennen, dass ihr Scheitern notwendig war um das falsche Fundament ihres Glaubens zu verlieren. Jesus hat Petrus gesagt: ich habe für dich gebetet das dein Glaube nicht erlischt. Von diesem Gebet unseres Herrn sind auch wir abhängig. Mein Atem reicht nicht sehr weit. Wenn schon die Jünger in verleugnet und verlassen haben wie oft hab ich das schon getan? Die Jünger waren bis zur Verhaftung bei ihm.. wäre ich selbst überhaupt so weit gekommen.. Nein.
    Im Garten haben Jesus die besten Menschen die damals aufzutreiben waren, mit der besten Ausbildung, Gemeinschaft und innerer Liebe versagt. Ihre Liebe reichte nicht und meine reicht auch nicht. Darum geht es, als Jesus Petrus nach der Auferstehung anspricht hast du mich mehr lieb als diese? Ja er hatte Jesus mehr lieb als alle, mehr als ich und mehr als jeder andere Mensch. Das ist aber auch nicht genug um bei Jesus zu bleiben.
    Nur wenn wir uns nicht über die Jünger stellen sonder mitten unter sie, zu den lernenden, dürfen wir auch erleben das es Jesus Liebe ist die uns durch unser Versagen trägt.
    Gerade die Einstellung das wir uns über die Jünger ärgern zeigt das wir diesen Punkt nicht verstanden haben und meinen bessere Menschen hatten es besser gemacht.. In dieser Haltung steckt viel zu viel Stolz. In dem wir über die Jünger urteilen, verurteilen wir uns selbst.
    Nein andere Menschen hätten es nicht besser gemacht. Ich nicht und auch nicht der Autor dieses Buchs. Er hat den Nagel nicht auf den Kopf getroffen sondern meilenweit daneben gehauen.
    Wer sich von den Jünger distanziert, distanziert sich auch von der Gemeinschaft der neuen Familie die Jesus ins leben gerufen hat… Denn für diese Menschen ist Jesus gestorben.. für seine Freunde.. ihnen hat er die Füße gewaschen.. ihnen hat er alles erzählt was ihm wichtig war.
    Er hat sie abgrundtief geliebt und liebt sie immer noch. Trotzdem sie ihn enttäuscht haben. Wie wird er wohl reagieren wenn wir seine Freunde verachten? Nein wir sind nur eingeladen zu diesem Kreis seiner Freunde dazugehörigen wir sind nicht dazu da sie zu ersetzen weil wir ja so viel besser sind. Wer sich für was besseres hält kann kein Freund Jesus sein. Er steht zu seinen Freunden und wird es immer. Man kann nicht Jesus annehmen und seine Freunde verachten. Jeder Mensch der auch nur schlecht als recht hinter Jesu her humpelt kann sich Jesus wärmsten Blick gewiss sein. Er verachtet unsere unbeholfenen Schritte nicht und rechnet damit, dass unsere Liebe nicht reicht. Allergisch reagiert er nur, wenn wir uns gegenseitig auf unserem Weg verachten und gering-schätzen.
    “Nach dem Jesus tot war benahmen sie sich anständig”
    Dies Äußerung ist ja der Gipfel der Untertreibung.
    Die Jünger haben meine Hochachtung, gerade weil sie ihr Versagen niemals vertuscht haben. Sie hatten die Größe uns ihre Fehler zu überliefern, damit wir aus ihren Fehlern lernen können. Ich bin zu einer solchen öffentlichen Lebensberichte nicht fähig.
    Mit ihrer Überlieferung und Beichte sind sie aller Generationen Diener geworden und damit haben sie sich selbst zu den geringsten Dienern der Gemeinde gemacht. Deshalb ist Jesus Verheißung über sie auch, dass sie einmal die Obersten der 12 Stämme Israels sein werden.
    Wer sie verachten will bitte… Jesus hält viel von ihnen… und nur sein Urteil zählt.
    Zum Glück!!!!
    Wenn jemand anders als Jesu über die Kirche urteilt sehen wir alt aus.
    (und zwar jede)
    Wenn jemand anderes als Jesu über mein Leben urteilen würde.. wär ich ohne jede Hoffnung.
    So aber bin ich froh, dass ich mit all seinen Freunden leben darf, hier und dort.

  2. Daniel meint:

    Danke für die persönlichen Zeilen! Ja, ich finde die menschlich-ehrliche Schilderung der ersten Jünger genauso tröstlich. Und deshalb habe ich mich gefreut, dass das auch in einem Weltbestseller wahrgenommen wird, wenn auch mit anderer Schlussfolgerung.

  3. C.Jacoby meint:

    Hallo,
    war auch nicht direkt als Kritik gemeint. Mit tut es halt weh, wenn immer ohne Selbstreflektion auf den Jüngern umgehackt wird. War einfach ein spontaner Gefühlsausbruch meinerseits. Das in einem bekannten Buch Jesus im Kontrast zu den Jüngern als positiv geschildert wird, ist natürlich positiv und beachtenswert.
    Vielen Dank übrigens für den Vortrag von Prof. Dr. Zimmer.
    Meine Sammlung von Mp3′s von seinen Vorträgen wurde dadurch wunderbar bereichert. Von den Großheppacher Vorträgen gibt es übrigens 3 Audiomitschnitte auf Youtube. Worthaus.org hat auch viele. Besonders empfehlenswert ist auch glauben-leben.efg-thum.de. Da sind auch 5 Vorträge online.

  4. Steffen meint:

    “Nachdem Christus tot war, benahmen sie sich zwar anständig, aber solange er noch lebte, nützten sie ihm ungefähr ebensoviel wie ein Loch im Kopf. Sie ließen ihn immer nur im Stich.”

    Danke für die Worte, C. Jacoby.
    Natürlich ist der Glaube an Christus vor allem der menschlichste Glaube und somit immer der, der auch mein Versagen aufnimmt.
    Darin vor allem unterscheidet er sich von den Religionen der Welt, deshalb ist es der Glaube, den Gott für uns Menschen meint und deshalb ist es gut, dass wir die Jünger auch so sehen dürfen: menschlich.
    Das o.g. Zitat ist daher durchaus atheistisch, doch was heißt das schon?
    Der Atheismus ist letztlich die am stärksten verbreitete Religion dieser Welt, denn sie durchsetzt alle bekannten Religionen und ist von daher irgendwie ja auch schon wieder menschlich verständlich, Teil menschlichen Glaubens.
    Es ist der Glaube, besser zu sein als andere Menschen. Den finden wir in den Synagogen, in Kirchen, in Moscheen, bei den Yogi….und eben in allen weiteren Glaubensvorstellungen von uns Menschen. Die Jünger sind da in der Tat wohltuend anders. In ihrer Schwäche kann Gottes Kraft mächtig werden…Sie beginnen zu erkennen, dass erst im völligen Vertrauen auf Gott, echtes menschliches Leben möglich wird und dass das nichts mit unseren Vorstellungen (also mit religiösem Atheismus -wie immer er sich gerade nennt- gewissermaßen) zu tun hat, sondern allein durch Jesus möglich wird…, der das alles für uns überwindet.
    Zu sagen: “Sie ließen ihn immer nur im Stich.”,ist also ein Zeichen dafür, dass jemand – wie auch sehr viele religiöse Menschen und sicher auch ich selbst – noch nicht erkannt hat, dass er in dem Moment Christus ebenfalls “im Stich” lässt, weil er sich, ganz atheistisch, oder evangelikal, oder islamistisch, oder, oder, oder, vor Gott für einen besseren Menschen hält.

  5. C.Jacoby meint:

    Und die grosse Gefahr besteht natürlich jetzt das wir beide uns gegenseitig auf die Schulter klopfen und uns wegegen dieser gemeinsamen Erkentnis wieder für was besseres halten ;-)
    … trotzdem schön das es dich gibt.
    Der einzige heilsame Weg wäre, tatsächlich aktiv Menschen zu integrieren. Aufeinender zuzugehen gerade dort wo wir Angst voreinander haben.
    Nur…. gelingt mir das manchmal nicht mal in meiner eigenen Familie. Paulus hat so unendlich recht … ich elender Mensch das Gute will ich und das Böse tue ich.
    Aber das unglaubliche ist das der Weg mit Jesus hinter der Verzweiflung und dem Scheiten erst beginnt. Dort wo menschlich kein Weg ist, da fängt Gott erst mit mir an. Das hat jeder Jünger lernen müssen und wir kommen da auch nicht rum.

  6. Steffen meint:

    “Aufeinander zuzugehen”,… ja…
    “Auf die Schulter klopfen” ??? für`s “Versagen”???
    Der Daniel kann dir sicher im Bedarfsfall meine Mail geben (darf er).
    An dem Thema “arbeite” ich nämlich auch gerade theologisch und nat. immer persönlich.

  7. C.Jacoby meint:

    Hallo,
    Nee,
    ich meine nur das jede Erkenntnis im geistigen Bereich “Blähungen” hervorruft und uns unseren Mitmenschen entfremden kann. Wir spielen ja immer verschiedene Rollen. Wird mir im Glauben etwas klar und ich erkläre es einem Anderen nehme ich automatisch die Rolle eines Lehrers ein und mein Zuhörer die eines Schülers. die Gefahr besteht einfach das ich mir auf diese Rolle was einbilde. Selbst die Erkenntnis wir sind alle Gleich und einer achte den anderen Höher als sich selbst lässt mich vielleicht auf andere herabsehen die das nicht erkannt haben. In unserem Beispiel würde ich jetzt auf den Autor dieses Buchs herabsehen weil er ja nicht erkannt hat das alle vor Gott nichts vorzuweisen haben und es keine Veranlassung geben kann über die Jünger schlecht zu denken.
    Mit Schulter klopfen meine ich, das wir wohl beide im Gegensatz zu dem Autor mehr Erkenntnis haben, uns darüber gemeinsam freuen und uns dabei über den Autor als Mensch stellen.
    Ich will damit nur sagen wir beide sind auch nicht besser als der Autor.
    Du kannst gern auch meine Adresse haben.

  8. Steffen meint:

    “Ich will damit nur sagen wir beide sind auch nicht besser als der Autor…”

    Na, das will ich wohl meinen;-), denn ein solches Buch zu schreiben, dazu gehört ja wohl `ne Menge.
    Wer sagt auch, dass der Autor das nicht genau so durchschaut hat und durch seine Äußerung eben gerade das erreichen will: Aufreger, Denkanstöße…???

    Und: So, oder so ähnlich habe ich es auch verstanden. Das ist wirklich ein schmaler Grad, nicht als “Lehrer” aufzutreten, sondern immer mehr Schüler zu werden und zu bleiben.
    Das mit dem “Lehrer” endet oft im völligen Chaos und zerstört sehr viel…,

  9. Daniel meint:

    Gerade bei Adrian Plass (wo sonst?) gefunden:

    »Wenn ich mir die Evangelien anschaue, besonders Markus, der die bekloppten Unternehmungen der Jünger besonders schön schildert, dann wird mir deutlich, dass Jesus jeden wachen Moment in den drei Jahren, die er mit ihnen verbrachte, darauf hätte verwenden können, ihre Persönlichkeiten zu sezieren, zu sondieren, zu tadeln und zu bewerten. Oftmals hätten sie die rote Tinte zu sehen bekommen, die ich aus meiner Schulzeit in Erinnerung habe: 4+, könnte sich mehr Mühe geben. Aber das tat er nicht. Sie waren eingeladen, seine Partner und Freunde zu sein, auch wenn sie noch so gut darin waren, sich aufzublasen und das Boot sowohl zu verpassen als auch aus ihm herauszuspringen.«

  10. steffen meint:

    jo, so isses wohl;-)
    Und: Ich denke gerade sehr viel an dem Thema “Jünger” herum.
    Ohne sie, keine Christenheit…, keine Lehre, kein…Nichts…Sie sind also in keiner Weise vom Erlösungswerk unseres lieben Herrn zu trennen…, gehören zusammen wie das Mann und Frau tun und so erst zum Menschen werden, sind ein Gebilde…von Gott eben genau so gewollt…unzertrennlich…sind eine Seite der Medaille…etc…etc…und geben uns immer guten Predigtstoff;-)

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