Übertrieben überschrieben

28. September 2012

Was Ignatius Kaigama, Erzbischof und Vorsitzender der nigerianischen Bischofskonferenz, in seinem Interview mit »Christ und Welt« zum Zölibat zu sagen hat, scheint klar. Zumindest, wenn man der Überschrift des Artikels Glauben schenkt:

»Heiraten? Wie soll das gehen?«

… also eine klassische Hardliner-Position? Eine Rundum-Ablehnung der Priesterehe? Zum Glück habe ich dann doch noch reingelesen. Und festgestellt: Kaigama ist in besagter Frage überraschend offen:

Es gibt einige Themen, die sind nicht verhandelbar, zum Beispiel das kirchliche Lehramt und die Glaubensinhalte. Aber andere Bereiche kirchlicher Praktiken können wir uns angucken, angleichen oder ändern. Zum Beispiel den Zölibat. Es steht nicht in der Bibel, dass Priester nicht heiraten sollen. Priester waren früher verheiratet. […] Für die Entstehung des Zölibats gab es wirtschaftliche, kulturelle und politische Gründe. Wenn die Kirche glaubt, dass jetzt Reformbedarf besteht, wird sie wie eine Familie zusammenkommen und entscheiden.

Lediglich im Blick auf sich selbst – und seine nigerianischen Kollegen – bleibt Kaigama skeptisch, was das Heiraten angeht:

Ich finde es schwierig, in meinem Alter zu heiraten, allein die Vorstellung fällt mir äußerst schwer. Weil ich Priester werden wollte, habe ich mich mein ganzes Leben lang noch nie persönlich mit dem Thema Ehe beschäftigt. Ich lebe mehr als ein halbes Jahrhundert zölibatär. Wenn ich jetzt aufwache und mir vorstelle, ich soll heiraten, wie soll das gehen? Wo soll ich beginnen? (lacht) Um die Wahrehit zu sagen, ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll.

Was soll man also halten von der zitierten Überschrift? Freundlich interpretiert: Sie ist ziemlich unpräzise.

 

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