Über das Vergessen hinaus

28. Juli 2011

»In der Hölle liegt Menschen der Name Gottes auf der Zunge. Aber er fällt ihnen einfach nicht mehr ein…«

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit Rob Bells Ansichten zu Himmel und Hölle steht immer noch aus (und wird vermutlich im übernächsten »ichthys« stattfinden). Aber ganz abgesehen von ihrem heißen Rahmen-Thema fand ich die zitierte Vorstellung immer einleuchtend. Was einen im Innersten prägt, vergisst man ja in der Tat nicht…

Dann, vor drei Tagen, traf ich jenen Mann im Pflegeheim. Der einst intensiv ehrenamtlich in der Kirche mitgearbeitet hat, auch Gottesdienste gehalten hat. Und dem jetzt nach und nach einzelne Sätze des Vaterunsers entfallen. Das merkt – und verzweifelt fragt, ob Gott ihn dann überhaupt noch hört.

Gut möglich, dass ihm auch noch der Name Gottes entfällt, irgendwann oder schon bald. Gut möglich, dass er noch vergisst, wer Jesus Christus ist – und für ihn ist. Gut möglich, dass diesem Mann alles ins Nichts zerrinnt. Und: Gut, dass ich mich geirrt habe. Gut, dass das Gott unmöglich etwas ausmachen wird. Und schon gar nicht seine Liebe schmälern kann.

Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden. (1. Korinther 4,5)

 

3 Kommentare zu “Über das Vergessen hinaus”

  1. IWe (Bibliolog-Weblog) meint:

    Bei manchen dementiell veränderten Menschen hilft es – solange sie noch lesen können und das kann durchaus noch der Fall sein, wenn sprachliche Fähigkeiten abbrechen – wenn man ihnen Gebete ausdruckt und laminiert. Ansonsten Gebet zeilenweise vorsprechen und dann gemeinsam nachsprechen. Es gibt übrigens auch eine spezielle Bibelausgabe für dementiell veränderte Menschen – bei Interesse gern mehr per PM.
    Übrigens ist – wenn man ensprechend geübt ist – Bibliolog eine gute Möglichkeit für Andachten / Gottesdiensten mit gemischten Gruppen von dementiell veränderten Menschen und solchen, die es nicht sind.

  2. Daniel meint:

    “[W]enn man entsprechend geübt ist”… ;-) In dem Fall verstehe ich es aber. Und habe vor, das – nach einer Fortbildung – auch auszuprobieren. Auch sonst bin ich für alle praktischen Hilfestellungen dankbar. Vielen Dank schon mal im Voraus!

  3. Johannes meint:

    Deine Einsicht ehrt dich. :)
    Otfried Hofius meint mit seinen 74 Jahren immer noch eine durch die Vernunft (!) vermittelte claritas externa der Schrift sei Voraussetzung für die claritas interna, sprich: den Glauben. Dabei ist er altersmäßig mittlerweile nah dran an den vielen Menschen, für die ein solches Verständnis von Glauben, wenn es Gottes Ansicht entspräche, fatal wäre.

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