Trügerische Sicherheit

15. Oktober 2013

Krimi-Autorin Andrea Maria Schenkel ist doppelt ehrlich. In einem sehr persönlichen Brief an Papst Franziskus in »Christ und Welt« (dort auch einsehbar – Ausgabe 41/2013, letzte Seite) …

  • … räumt sie ganz offen ein, dass der neue Papst sie (vor Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten) mit seinen jüngsten Äußerungen überrascht, neugierig macht und herausfordert: »Durch die Zeilen der einzelnen Artikel hindurch züngelt mir die Schlange der Versuchung entgegen, ich lese sie, und wirre Gedanken überschlagen sich in meinem Kopf. Wo bleibt die Kirche, auf deren Stagnation ich mich nun schon mein Leben lang verlassen konnte? […] An wem soll ich mich reiben, über wen mich aufregen? Wo bleibt das lieb gewonnene Feindbild meiner agnostischen Weltanschauung?«
  • … und gibt dann schließlich doch zu (dieser letzte Absatz ist nur wenige Zeilen lang), dass sie den entscheidenden Schritt nicht gehen möchte: »[L]ese ich die Artikel genauer, so stelle ich fest, dass sich doch nicht allzu viel verändert hat. Nur die Verpackung ist eine gefälligere geworden. […] Und ich gebe zu: Ich kann mich nun doch wieder beruhigt zurückziehen, denn die Feindbilder sind die gleichen geblieben, und die Kirche bewegt sich Gott sei Dank [sic!] nun doch nicht.«
  • Auch mir als evangelischem Pfarrer gibt das zu denken. Ich höre schon länger mit zwei Ohren hin, wenn mir Leute erzählen, die Kirche habe ja »nichts mit dem Leben zu tun«. So manche(r) nämlich ist zunächst mal tief verunsichert, wenn sich plötzlich das Gegenteil herausstellt … Und offensive Schnellschüsse gehen dann rasch nach hinten los.

     

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