Theologisches Wiedersehen

10. Juli 2008

Er ist und bleibt »Deutschlands knorrigster Theologe« (»Die ZEIT«) – der inzwischen emeritierte und ehemals evangelische Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger. Schon am Dienstag hatte ich kurz mit ihm telefoniert (um ihn nach einem günstigeren Exemplar seines neuen Buchs zu fragen…), gestern habe ich ihn dann live im Stuttgarter Hospitalhof gehört.

»Vorstellungen über den einen, identischen Gott und das Göttliche in den Religionen«. Haben Vorträge in evangelischen Bildungszentren solche Titel, steht die Antwort meist vorher schon fest. Nicht so bei Klaus Berger. Werde den Eindruck nicht los, dass es den Hospitalhof-Organisatoren mit dem Theologen-Urgestein schon seit Jahren so geht wie den armen religiösen Sozialisten mit Karl Barth bei dessen Tambacher Vortrag 1919: Man erhofft sich inhaltlich eigentlich was ganz anderes – aber der Referent fällt einem selbstbewusst in den Rücken… Und so stand die Frage nach der etwaigen Wahrheit anderer Religionen von vornherein nicht zur Debatte – wobei auch zwischen Moslems und Mormonen (!) kein Unterschied gemacht wurde (denn beide, so das Hauptargument, akzeptieren die Bibel nicht als entscheidenden »Referenztext«)… Der Diskussionsleiter konnte gerade noch den Versuch unternehmen, im Nachgang wenigstens die legitime Vielfalt der christlichen Konfessionen zu retten – aber auch da spielte Berger nicht richtig mit.

Sicher – man kann sensibler argumentieren. Aber ich war theologisch sowieso schon platt an diesem Abend…und so habe ich mir einfach die besten Zitate eingeprägt:

  • »Die Moslems sind nicht Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen. Die Mormonen auch nicht, die radikalen Quäker auch nicht – und mir ist derzeit auch nicht bekannt, dass die Anhänger der Christlichen Wissenschaft mit dabei wären.«
  • »Weisen gemeinsame Aktionen auf einen gemeinsamen Gott hin? Nein – Uno [nehme an, er meinte das Kartenspiel...] ist auch eine gemeinsame Aktion.«
  • »Aus der Vereinigung von Gottessöhnen und Menschentöchtern nach Gen 6,1-4 sind die Riesen hervorgegangen – also Menschen wie ich, der Gestalt nach.«
  • »Gebete zu anderen Göttern werden möglicherweise telefonisch weitergeleitet an den biblischen Gott.«
  • Interessante Information am Rande: Klaus Berger hat ein wichtiges Papier ausgearbeitet – für die nächste Synode der römischen Bischöfe im Oktober. Thema: Die Inspiration der Schrift.

     

    Ein Kommentar zu “Theologisches Wiedersehen”

    1. Dave meint:

      herrlich. wie gerne hätte ich das miterlebt. habe die seminare (weniger die vorlesungen) sehr genossen bei ihm :)

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