Theologen-Bonus?

20. April 2010

Neulich im Vikariats-Kurs: Diskussion über das Verhältnis von Konfi- und Jugendarbeit – und über die Beziehung zwischen Pfarrer(inne)n und Jugendmitarbeiter(inne)n.

Was wir bis zum Schluss nicht richtig klären konnten: Was genau ist eigentlich unser »Bonus«? Wozu genau hat unser Theologiestudium uns qualifiziert?

  • Sind wir bessere Christen? (Hoffentlich nicht!)
  • Haben wir detailliertere Bibelkenntnisse? (Da wäre ich mir nicht mal sicher!)
  • Fällt es uns leichter, bestimmte Positionen auf ihre Prämissen und Hintergründe hin zu analysieren? (Das würde ich mir zumindest wünschen…)
  • Haben wir mehr Praxiserfahrung? (Nicht unbedingt!)
  • Sind wir pädagogisch versierter, auch in der Schulung von Mitarbeiter(inne)n? (Kommt drauf an…)
  • Eure Vorschläge?

     

    9 Kommentare zu “Theologen-Bonus?”

    1. martin meint:

      …habt Ihr die Fähigkeit, die komplexen kirchlichen Zusammenhänge und das miteinander von Menschen und Gott zu überschauen?

    2. Birgit meint:

      Hallo?????!!!!!!!
      Natürlich haben wir detailliertere Bibelkenntnisse!!!!!! Wir wissen schließlich garantiert besser Bescheid über die Entstehungsbedingungen der Texte. Wir können unterschiedliche Meinungen theologisch einordnen. Wir können verschiedene theologische Standpunkte zu wichtigen Themen darstellen. Wär ja auch schlim, wenn wir das nach ix Semestern Theologie nicht besser könnten.
      Und die Mitarbeitenden können wiederum anderes besser – deshalb wäre es halt prima, sich zu ergänzen.

    3. Daniel meint:

      Danke für die prompten Reaktionen!

      Auf die These »Wäre ja auch schlimm, …« wollte ich eben schon antworten: »Gelegentlich ist es tatsächlich so schlimm…« Allerdings würde ich dann (hoffentlich) eine Ausnahme zur Regel machen, das ist nicht fair. Genauso will ich ja nicht ausschließen, dass besonders begabte »Laien« nebenher theologische Bücher lesen und verstehen – ohne dass das dann immer so wäre.

    4. Grete meint:

      Danke Birgit.
      Was hast Du denn studiert, lieber Daniel, Bücherregale?

    5. Matthi meint:

      Ich halte den sog “Theologen” für die Jugend und Pfarrberuf nicht unbedingt für besser qualifiziert. Vielmehr sollte man im Sinne des Priestertums aller Gläubigen darüber nachdenken auch sog “Laien” zum Pfarramt zu berufen, wie das früher öfters der Fall war. Denn schließlich denkt jeder Christ über seinen Glauben in irgend einer Weise nach und ist in so fern auch Theologe. Sprich: Ich würde zwischen dem Studium der THeologie und dem Beruf Pfarrer doch einen großen Unterschied sehen. Schließlich gehen Studenten der Politikwissenschaften nicht zwangsläufig in die Politik.
      Trotzdem tut die Kirche gut daran sog “Theologen” für apologetische Zwecke und die Lehre einzustellen. Nur hat das nicht zwingend etwas mit einer unbedingten Leitungsfunktion zu tun.

    6. Daniel meint:

      Hmm…vielleicht engt der oben vorliegende Kontext (Jugendarbeit) die Diskussion ein wenig ein… Aber am Extrembeispiel lässt sich vielleicht besser diskutieren.

      Das theoretisch-akademische Theologiestudium habe ich auch schon kritischer gesehen. Inzwischen würde ich schon sagen, dass es seine Berechtigung hat. Aber überschätzen sollten wir unsere Qualifikationen trotzdem nicht. Und schon gar nicht unberechtigterweise auf zusätzliche Bereiche ausdehnen.

    7. birgit meint:

      Also, ein bißle was lernen wir ja auch im Vikariat, oder?
      Ich muß aber zugeben, dass es mir auch besser ginge, wenn ich noch genuiner Theologin sein düfte im Pfarramt und nicht manchmal fast im Hauptberuf noch Bastelfee, Altherren-Beglückerin und Kopierer-Reparateuse – aber so ists halt und das erdet ja auch gut und ist heilsam.
      @Matthi: ja, alle ChristInnen sind TheologInnen in Deinem Sinne – aber ich hab über 7 Jahre lang nichts anderes gemacht, als mich mit denen zu beschäftigen, die ihr ganzes Leben lang über den Glauben nachgedacht haben (abgesehen von nebenbei noch Geld verdienen). Und jetzt im Pfarramt mache ich das auch so weit es mir möglich ist – zusätzlich zu Herrn Barth und Frau Sölle höre ich Herrn Müller und Frau Meier und der Amsel auf der Fernsehantenne zu und setze das in Beziehung zueinander. Dafür werde ich finanziert von all den Lieben, die ihre Kirchensteuer zahlen und arbeiten müssen und deshalb nicht so viel Zeit für die Amsel und den Petrusbrief haben. Ich versteh mich nicht als Apologetin oder als eine, die weiß, wos lang ginge im Glauben – wohl aber als Geschichten-Aufbewahrerin und Ab-und-an-Herzensaugen-Öffnerin. Und für beide Tätigkeiten kann ich mein Studium gar nicht zu hoch schätzen!!!!
      Kleiner Rundumschlag – Sorry – mußte sein :-)

    8. birgit meint:

      Schon wieder ich. Wenn die VikarInnen nicht sagen können, was der “Bonus” eines Theologiestudiums ist, liegt das vielleicht auch an verkrsteten Uni-Strukturen.
      Anderswo machen das Leute so:
      http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-uni/artikel/1/wissen-vermitteln-ist-primitiv/

    9. Daniel meint:

      …jaaaa – damit sind wir sicher bei einem Knackpunkt…

    Deine Meinung?!