Telekolleg 2007

21. März 2007

Als ob ein Theologiestudium nicht schon umfangreich genug wäre – als angehender Pfarrer soll(te) man immer mal wieder über den Tellerrand schauen. Das gilt in besonderer Weise für angrenzende Geisteswissenschaften (fies ausgedrückt: »Hilfswissenschaften«).

Psychologie ist da z.B. so ’ne Sache. In Seelsorge-Vorlesungen und -Seminaren schnappt man sporadisch so manches auf – aber meistens ohne die richtigen Zusammenhänge.

Das muss ja nicht so bleiben, dachte ich – und schlug spontan zu. »Crash-Kurs Psychologie« (3 DVDs, über 400 Minuten Laufzeit), bei Jokers im Angebot – knapp 20,00 € statt ursprünglich 149,00! Warum Bücher wälzen, wenn man sich auch berieseln lassen kann? Es klang nach einer richtig guten Idee.

Hier in Moscia nahmen wir uns gestern Teil 1 vor.

Was soll man sagen?! Der Kurs erinnert verdächtig an die erste Generation der guten alten »Telekolleg«-Sendungen auf Südwest 3 (der übrigens hier liebevoll gedacht wird): Ein emotionslos-bemühter Sprecher, grob-verpixelte Grafikeinblendungen (mindestens vier Schriftfamilien pro Seite), scheinbar wahllos zusammengestellte Filmausschnitte, rätselhaftes Dekomaterial (links vorne finden sich – in einer kitschigen China-Schale – abwechselnd eine Orange und ein Apfel, während ein dicker Psychologie-Wortschatz rechts der Veranstaltung wohl den rechten wissenschaftlichen Touch verpassen soll). Dass die Praxis im Blick ist, spürt man nicht so richtig – stattdessen geht es andauernd darum, wie man vor einer Prüfungskommission bestehen kann (und in dieser Situation z.B. »– derbe ausgedrückt – Zeit schinden kann«).

Kein Wunder, dass diese angeblich »exzellente Lernhilfe für die Ausbildung zum psychologischen Berater« so stark reduziert war… Wobei es mich irritiert, dass amazon den Kurs immer noch für satte 146,99 € verkauft… Dass die dort hinterlassenen Rezensionen so kontrovers (d.h. teilweise positiv) ausfallen, ist nicht weniger verwirrend, finde ich.

Für einen 2004 veröffentlichten DVD-Kurs wird einem hier entschieden zu wenig geboten. Wobei man einschränkend anmerken könnte, dass auf den DVD-Scheiben das Datum 2003 genannt wird – und dass bei amazon auch ein gleichnamiges Videokassetten-Paket angeboten wird. Aber auch eine nicht aktualisierte Neuauflage in DVD-Fassung wäre noch verwerflich genug…

Was ich daraus lerne: Mag ein ehrenamtlich gedrehter Jugendgottesdienst-Trailer noch so einfach sein – er ist immer noch besser als so manche professionelle Psychologie-Produktion. Das ist doch tröstlich. Besonders für uns Theologen. ;)

 

2 Kommentare zu “Telekolleg 2007”

  1. martin meint:

    *lach* – genau. selbst das spaßhafte nachdrehen derartiger telekollegs für jugos endet mit einem professionellerem ergebnis. aber irgendwie muss ja das image bewahrt werden, dass mathematik nur was für ältere opis im beigefarbenen anzug und brille ist, die sich dann über die moderne technik der 70er jahre freuen, mit denen sie lineare funktionen quasi im handumdrehen nach mehrstündiger programmierung darstellen können. ;-)

  2. Daniel meint:

    Moscia ist fast vorbei – und in Teil 2 (von 3) sind wir leider steckengeblieben… Das war’s dann auch, fürchte ich…

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