Suspekte Stille

21. Februar 2014

Liebes Sandmännchen,

wir mögen dich. Und unsere Tochter mag dich. Die Kurzfilme, die du zeigst, sind ihr mit ihren anderthalb Jahren oft noch zu schnell und hektisch (unabhängig davon, welche deiner Freunde jeweils auftreten). Aber Vor- und Abspann kann sie gut folgen. Vielleicht, weil das Fernsehgerät dort kaum jünger wirkt als unseres? Oder weil die Stop-Motion-Machart per se schon Ruhe ausstrahlt? Oder weil das auch für die Grundhandlung gilt? Sie ist ja immer dieselbe: Du kommst, begegnest irgendwelchen Kindern, streust ihnen Schlafsand in die Augen – und verschwindest wieder. Das nimmt Tempo raus aus einem oft auch für Kleinkinder hektischen Tag.

Um so störender wirkt die Fortsetzung: Kaum bist du verschwunden, wird mit knalligen Farben und penetranter Stimme schon für die nächste Folge geworben. Damit ist die bis zu diesem Moment gelungene Abend-Dramaturgik flugs wieder dahin. Gut, wenn man’s vorher weiß – und im richtigen Moment ausschaltet (was aber mitunter nicht weniger hektisch wirkt).

Ich frage mich: Was steckt hinter diesem Werbe-Trailer? Hast du Angst, jemand könnte vergessen, dass du am nächsten Abend wiederkommst? Sorgst auch du dich schon um Einschaltquoten? Oder ist dir die besondere Stimmung nach deinem Verschwinden suspekt? Musst du deshalb die Stille gleich wieder zudecken mit »normalem« Programm? Ein bisschen erinnert mich das an manche unserer Gottesdienste. Wo wir die Stille nach besonderen Augenblicken ebenfalls nicht aushalten – und sie gleich wieder füllen mit Gesangbuch-Geraschel, hektischen Seitenblicken oder (das betrifft uns Pfarrer) unnötigen Regieanweisungen.

Wie wäre denn das: Nach deinem Verschwinden bleibt der Bildschirm schwarz. Nur für fünf Sekunden. Auch die sind nervtötend lang im Fernsehgeschäft (bzw. teuer), ich weiß. Und zehn, zwölf Familien werden sich verwirrt melden – »War da was kaputt bei Ihnen?« Aber die meisten werden mit der Zeit durchatmen, da bin ich mir sicher. Und den anschließenden Werbetrailer könnt ihr euch dann getrost sparen. Denn: Wer berührt ist, schaltet ohnehin wieder ein. Keine Sorge, Sandmännchen. Probiert das doch mal aus. Fünf, sechs Wochen lang. Und schaut, was passiert.

Dein Daniel Renz

 

3 Kommentare zu “Suspekte Stille”

  1. Steffen meint:

    Super!!!

  2. Daniel meint:

    Hier die Antwort der Redaktion:


    Sehr geehrter Herr Renz,

    vielen Dank für Ihre kritischen und anregenden Zeilen.

    Bitte entschuldigen Sie die späte Antwort, aber das Sandmännchen erhält gerade sehr viele E-Mails und sehr viele ganz bunte und schöne Bilder.

    Viele unserer sehr kleinen Zuschauer sind sich der Wochentage und der Ausstrahlungstermine der verschiedenen Abendgrüße (= Geschichten der Sandmann-Freunde), aufgrund ihres sehr jungen Alters, nicht bewusst. Da aber auch gerade die kleinen Zuschauer schon Fans von bestimmten Sandmann-Freunden sind, freuen diese sich sehr, wenn es am Abend einen Hinweis zum fortlaufenden Programm gibt. Aus diesem Grund zeigen wir gerne am Ende der Folge eine kleine Vorschau auf die nächste.

    Ihrem Wunsch nach etwas mehr Stille, bzw. nach einem schwarzen Bild am Ende der Folge, können wir leider nicht gerecht werden.
    Im Fernseh-Programm einen schwarzen Bildschirm zu senden, assoziiert bei unseren Zuschauern automatisch den Eindruck eines technischen Fehlers und würde zurecht Verwirrung hervorrufen. Wir bitten also um Verständnis, dass wir diesen Eindruck nicht extra provozieren möchten und daher kein schwarzes Bild ausstrahlen.

    Dennoch danken Ihnen sehr für Ihre E-Mail und hoffen, dass Sie und Ihre Familie uns weiterhin als Sandmännchen-Zuschauer erhalten bleiben!

    Bei weiteren Fragen und Anregungen zum rbb-Programm erreichen Sie uns auch täglich zwischen 9:00 und 22:00 Uhr am Telefon.

    Freundliche Grüße

  3. Auf'n'Kaffee mit Rolf Krüger | Sandmännchen-Alarm: Wenn der Film am Ende nie zu Ende ist meint:

    [...] Fernbedienung vermutlich stets die Hauptrolle. Daniel Renz hat dieses Phänomen kürzlich in einem Brief an das Sandmännchen beklagt und jetzt eine wenig Hoffnung machende Antwort vom RBB bekommen: Ihrem Wunsch nach etwas [...]

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