»Sonntagsruhe«

13. September 2007

…ein Slogan muss nicht originell sein, wenn er sich trotzdem gut einprägt. Und das gilt definitiv für »Sonntagsruhe«, eine neue Internet-Kampagne der EKD.

Nachdem ich erst neulich über neu eröffnete Homepages – und die damit verbundene Informationsflut – geklagt habe, ist es natürlich inkonsequent, dieses Projekt mit Lob zu bedenken. Trotzdem tue ich es – und das liegt nicht daran, dass ich durch den sonntäglichen Lärm vom benachbarten »Kaufland« hypersensibilisiert bin… Nein – dass die evangelische Kirche den Sonntag Sonntag sein lassen will, ist ein wichtiges Signal.

Ermutigend finde ich, dass man unter den »Argumenten« für einen effektiven Schutz des Sonntags auch durchaus welche findet, die diesen Titel wirklich verdienen.

Soll heißen: Man begnügt sich nicht mit allgemein-humanen Feststellungen, die auch Satanisten abnicken würden. (Was auf den populären, rein empirisch argumentierenden Auto-Aufkleber-Spruch »Ohne Sonntag gibt’s nur noch Werktage«, durchaus zutraf.) Die Sonntagsruhe wird aus bewusst christlicher Perspektive gefordert – z.B. unter dem Hinweis auf Gottes Ruhetag nach Gen 2,3.

…dass dieses ausdrückliche Interesse eine der wenigen ethischen Gemeinsamkeiten zwischen »Liberalen« und »Frommen« darstellt, war bis vor kurzem meine feste Überzeugung. War. Bis ich von Vertretern Letzterer ausdrücklich auf CA 28 hingewiesen wurde – und die dortige Feststellung, die Einhaltung des Sonntags sei eine rein menschliche Satzung, habe mit dem Evangelium also nichts zu tun.

So grob ich den genannten Abschnitt aus dem Augsburgischen Bekenntnis auch gelesen haben mag – ich werde den Eindruck nicht los, dass dieses Dokument eine ganz andere Stoßrichtung besitzt: Inhaltlich geht es vor allem um »der Bischofen Gewalt« – und damit um das Problem hierarchischer Gesetzlichkeit. Aber dass letztlich jedes noch so sinnvolle Gesetz (sogar das »höchste Gebot« der Nächstenliebe!) gesetzlich gehandhabt werden kann, war mir eigentlich schon vorher klar. (Es ist die altbekannte Debatte über den Sinn des Gesetzes für Christen, die hier aufblitzt…) So fundamentalistisch-verkrampft man sich für den Sonntag einsetzen kann – wir sollten dieser göttlichen Einrichtung durchaus etwas zutrauen, finde ich. Und gebe dabei protestantisch-freimütig zu, dass ich die letzten Sonntage durchaus auch am Schreibtisch saß.

Ach so: Dass sich Kirche nach Möglichkeit nicht nur für den Sonntag einsetzen sollte…geschenkt!

 

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