Selbsterfüllende Prophezeiung

9. Februar 2014

Leben Pfarrer(innen) auf dem Präsentierteller, wenn sie im Pfarrhaus wohnen? Nicht wenige empfinden das so, und die wenigsten haben Freude daran. Ich kann sie verstehen. Und möchte trotzdem auf einen Vortrag der Kulturwissenschaftlerin Christel Köhle-Hezinger hinweisen, gehalten schon 2013 beim Tag der Württembergischen Pfarrerinnen und Pfarrer in Esslingen. Ihre einleitende These, untermauert durch eine wiederkehrende Kindheitserfahrung: Die Pfarrhaus-Wände sind gerade nicht gläsern, sondern vielerorts völlig undurchlässig. (»Ein Blick an der Frau Pfarrer vorbei in den Flur war nicht zu machen …«) Und eben das steigert die Neugierde der Menschen drumherum. Die Gerüchteküche brodelt, die Pfarrfamilie fühlt sich auf dem Präsentierteller … und zieht die Mauern hoch …

Ob unsereins also einfach die Türen öffnen sollte, dann und wann auch mal für die gesamte Gemeinde? (Natürlich nur, wenn die Abgrenzung stimmt!) Ob dann nebenbei klar wird, dass es sich dort ganz gewöhnlich lebt – und »Pfarrer« keinen Status bezeichnet, sondern einen Beruf?! Klar, bis der Mythos wirklich bröckelt, könnte es zehn Generationen lang dauern

 

3 Kommentare zu “Selbsterfüllende Prophezeiung”

  1. Wolfgang Vögele meint:

    Gibt es den Vortrag irgendwo zu lesen?

  2. Daniel meint:

    Nicht dass ich wüsste. Aber in »Pfarrverein aktuell« findet sich eine kompakte Zusammenfassung. Falls da Interesse besteht, … Ansonsten kann man ja auch mal direkt bei der Referentin nachfragen.

  3. Steffen meint:

    TIPP: Unsere “Frau Pfarrer”, also die Frau vom Pfarrer;-), veranstaltet regelmäßig im Pfarrhaus ein Bibelfrühstück.
    Reden (allgemein), essen, singen und beten und interessanter Austausch zu Glauben- und Lebensfragen…
    Das “entzaubert” vielleicht etwas den Mythos Pfarrhaus?
    Der Hauskreis direkt beim Pfarrer im Esszimmer sozusagen.
    Zeitlich begrenzt (wegen der Abgrenzung) und doch recht “intim”.
    Und das Beste: Der Pfarrer muss nicht mal anwesend sein.

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