Seelsorger-Seelsorge

30. Oktober 2012

Gestern, im Pflegeheim. Im Wohnbereich mache ich einen Begrüßungsbesuch bei einer neu eingezogenen Bewohnerin.

Ich: Guten Tag, Frau Sowieso. Ich bin Daniel Renz – und Pfarrer hier im Samariterstift. Sie sind ja ganz neu hier. Ich würde Sie gerne besuchen. Haben Sie ein paar Minuten Zeit?

Bewohnerin: Oh, das ist aber nett.

Ich: Ich hole mir nur kurz einen Stuhl.

Bewohnerin: Wartet geduldig, bis ich mir einen Stuhl geholt und Platz genommen habe, – und eröffnet dann selbst das Gespräch. So. Was haben Sie denn auf dem Herzen?

Ich: Verwirrt. Ääh, … ich habe auf dem Herzen, … dass ich Sie hier begrüßen will …

… einfach nur eine skurrile Szene? Nein, ein prägnanter Hinweis auf mehr: Seelsorge ist keine Einbahnstraße. Kein festgelegter Prozess, bei dem von vornherein klar ist, wer wem hilft. Und tatsächlich: Öfter als erwartet gehe ich als Pfarrer selbst beschenkt nach Hause. Gott sei Dank.

 

Ein Kommentar zu “Seelsorger-Seelsorge”

  1. steffen meint:

    Schon wieder ich;-)
    Das ist gut, dass du das so aufzeigst, denn gerade von sehr alten Menschen habe ich gelernt, was es heißt, Gott zu vertrauen.
    Meine Mentorin ist gerade 94 Jahre alt.
    (Dabei fällt mir ein, sie wieder zu besuchen, falls sie noch lebt. Danke auch dafür.)
    Es macht keinen Unterschied, ob jemand professioneller Seelsorger ist, oder nicht.
    Menschen sind wir ja alle.
    Und ein Mehr an Lebenserfahrung ist manchmal eben ein Mehr an Weitsicht und so manchmal auch ein Mehr an Gottvertrauen.
    Leider aber nur manchmal…

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