Sebastian Deisler: Wenn es nicht mehr geht…

17. Januar 2007

Sebastian Deisler beendet seine Karriere. Die jahrelangen Leiden an Körper und Geist haben ihn dazu gezwungen. Es handelt sich um »schon lange gereifte Pläne«. Die Öffentlichkeit wurde umgehend informiert. Und Uli Hoeneß – den ich (das nur nebenbei) ganz und gar nicht leiden kann – ist »fassungslos«.

Noch viel fassungsloser macht mich, was sich vor dieser Pressekonferenz ereignet haben muss: Stundenlanges Einreden auf den Jungstar. Nicht-wahr-haben-Wollen, dass es menschliche Grenzen nun mal gibt.

Ging es dabei um Deislers persönliches Wohl? Oder war das vielmehr eiskalte Kalkulation eines Profi-Managers, der um die Spielstärke seines Clubs fürchtet? Gnadenlose Berechnung?

Deislers Schritt ist mutig und ehrlich – alle Achtung! Ich wünsche ihm von Herzen, dass er sein Leben meistert. (Jetzt – wo er nicht mehr beim falschen Verein spielt… ;) )

Wie ist das in unseren Gemeinden? Sind das Orte, an denen Schwache getragen werden? An denen man sich outen darf, wenn die Kräfte nachlassen? Ohne dass einem das gleich ausgeredet wird?! Das wäre doch was!

»Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.« Matthäus 11,28

 

3 Kommentare zu “Sebastian Deisler: Wenn es nicht mehr geht…”

  1. Daniel meint:

    In ihrer aktuellen Ausgabe (05/2007) widmet die »ZEIT« Sebastian Deisler einen ganzseitigen Artikel.

    Überschrift: »Er ist so frei. Sebastian Deisler, einst als ‘Jahrhunderttalent’ des deutschen Fußballs gefeiert, hat seine Karriere im Alter von 27 Jahren beendet – und damit einen Sieg errungen«

    Dem kann ich mich anschließen…

  2. Daniel meint:

    Viele Monate später, am 30. September 2007, veröffentlicht der »Tagesspiegel« ein langes Interview mit Sebastian Deisler: »Stellen Sie sich mal damals die Schlagzeile vor: Der Retter des deutschen Fußballs muss gerettet werden. In dieser Welt ist man nur jemand, wenn man keine Schwächen zeigt: Entweder du gewinnst, oder du verlierst. Ich hätte mich gern mal angelehnt, mich ausgeruht. Sollte ich das der "Bild"-Zeitung sagen?«

  3. affrodite11 meint:

    Der Gesamteindruck von Sebastian Deisler bei Günther Jauch stimmt mit dem Titel des Buches keinesfalls überein. Er machte auf mich den Eindruck, daß er noch einen langen Weg bis zu seiner Genesung vor sich hat. In Interviews bestätigt er dies aber auch. Seine Zukunft steht in den Sternen, aber ich empfinde es als sehr traurig, daß solch ein begabter Mensch mit 29 Jahren seinen Traum nicht leben konnte – nämlich Fussball auf höchstem Niveau spielen zu können, nur weil er nicht hart genug für das Geschäft ist. Zuerst wird er von allen als der große Retter für den deutschen Fussball gefeiert und dann genauso schnell wieder fallengelassen und ein sensibler Mensch – wie jeder andere vermutlich aber auch – kann damit nicht gut umgehen. Er war unglücklich und hatte kein Netz, daß ihn aufgefangen hat. Seine Rettung war die Depression, besser als Selbstmord oder andere Krankheiten. Jetzt hat er die Möglichkeit, für sich herauszufinden, was er aus seinem Leben machen möchte. Ich wünsche ihm viel Erfolg dabei.

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