Schubladen-Alternative?

21. Mai 2009

Bei vielen verschiedenen Menschen nehme ich es in letzter Zeit wahr, nicht zuletzt bei mir selbst – ein ebenso verstohlenes wie deutliches Unbehagen gegenüber kirchlich-theologischen Schubladen-Begriffen aller Art: »Liberal«, »bibeltreu«, »missional« »missionarisch«, »evangelikal« – das alles taugt hervorragend zur gegenseitigen Abgrenzung…und zementiert gleichzeitig den Stillstand. Kaum jemand hat nämlich die Chance, jemals wieder aus einer Schublade herauszukriechen. Und mit der Möglichkeit, bei Angehörigen fremder Schubladen auf Sinnvolles, Hilfreiches zu stoßen, wird gar nicht erst gerechnet. Auf diese Weise werden Kirche und Theologie vorhersagbar…und nicht zuletzt dröge und langweilig.

Was nun allerdings auch stimmt: Unterschiedliche Meinungen gibt es nach wie vor. Die Vorstellung, die Postmoderne kenne keine gegensätzlichen Ansichten mehr, ist ebenso einleuchtend wie falsch. Natürlich kann – und darf! – man unterschiedlicher Meinung sein, durchaus auch in zentralen Punkten. Nur: Wie bringt man das zum Ausdruck, ohne die sperrigen »Schubladen« zu verwenden? Oder, mit Brian McLaren (»A New Kind of Christian«): »What are the alternatives to labels?«

Mein spontaner Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir von »tags« sprechen (wie im Internet schon lange üblich), also frei definierbaren und zuteilbaren Eigenschaften? Das hätte doch verschiedene Vorteile:

  • Person A und Person B könnten sich in vielen zentralen Punkten uneinig sein, aber gleichzeitig andere Dinge völlig ähnlich sehen.
  • Bei C und D könnte es genau umgekehrt sein.
  • A könnte mit C verschiedene Ansichten teilen, genauso wie mit D.
  • Zwischen B und C könnten mit der Zeit neue Übereinstimmungen entstehen.
  • Eine neue Person E würde in jedem Fall Anknüpfungspunkte finden.

Ach ja: Für den Bereich der Politik könnte genau dasselbe gelten…

Dieser Beitrag wurde auch bei »PastorBuddy« veröffentlicht.

 

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