Scheidung und Wiederheirat

15. Dezember 2007

…ein brisantes Thema haben wir uns neulich im Bengelhaus-(Gruppen-)Konvent vorgenommen. Weil die über zwei Wochen reichende Diskussion letztlich – höchst profan – aus Zeitgründen abgebrochen werden musste, nutze ich die Gelegenheit, ein paar wenige Gesichtspunkte nochmal knapp – und in persönlicher Perspektive – zusammenzufassen. Vielleicht ergibt sich auf diese Weise sogar eine Fortsetzung?!

  • »Ist doch alles keine Frage – wir sind doch evangelisch!« Dachte ich. Und erlag dem typischen Vorurteil, dass Katholiken eine übermäßig strikte Prinzipienethik vertreten, während Protestanten seit jeher das mal wahrhaft tolerante, mal gleichgültige »verantwortungsethische« Laissez faire praktizieren. Tatsächlich sind die entsprechenden kirchenrechtlichen Formulierungen relativ eindeutig. Vgl. z.B. die Bemerkung im »Kirchenbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg«: »Die kirchliche Trauung wird in der Regel nicht gewährt, wenn ein geschiedener Ehegatte wieder heiratet.« Erst auf dieser Grundlage kann eine Trauung – vom zuständigen Dekanatsamt und »seelsorgerlich begründet« – ermöglicht werden. Dann darf aber »[d]ie Tatsache, daß ein Ehegatte oder beide geschieden sind, … bei der Trauung nicht verschwiegen werden.«
  • Die Autoren zweier »frommer« Bücher zum Thema – Joachim Cochlovius (Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Eine Orientierung für Christen über Ehescheidung und Wiederheirat, Wuppertal 32001) und Cochlovius’ Entwurf allerdings in der Tat aufmerksam macht: Die Möglichkeit der Versöhnung (im Sinne einer wiederhergestellten Ehe) wird durch eine Wiederheirat definitiv ausgeschlossen. In diesem Kontext ist sicherlich auch davor zu warnen, Ehen überhaupt zu schnell zu scheiden.
  • Eine Art Konsens ergab sich in der These: Die Erfahrung von Scheitern und Zerbruch ist keineswegs etwas, was man Geschiedenen aufwändig einreden müsste, sondern vielmehr menschliches Allgemeingut. Dazu passt eine persönliche Erfahrung auf dem Tübinger Standesamt: Habe dort neulich lediglich nachgefragt, welche Unterlagen notwendig seien, um überhaupt erst einen Termin für die Anmeldung zur Trauung zu vereinbaren. Selten – nicht mal beim Arzt! – bin ich mit einer vergleichbaren Batterie an investigativen Fragen bombardiert worden: »Waren Sie schon einmal verheiratet?« »War Ihre Verlobte schon einmal verheiratet?« »Ist jemand von Ihnen früher schon eine Lebenspartnerschaft eingegangen?« »Haben Sie gemeinsame Kinder?« »Haben Sie Kinder aus anderen Beziehungen?« Obwohl ich hier jeweils mit »Nein« antworten konnte, hat mir das die Zerbrechlichkeit der Ehe neu vor Augen geführt (und das gilt eben – Schluss mit einem wenig hilfreichen Klischee! – auch für Christen, gleich welcher Prägung). Gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, dass Menschen derartige Brüche in ihrer Biographie zu leicht nehmen. Welche Vorstellung von »Schuld« dabei jeweils mitschwingt, ist aber sicherlich zu klären.
  • Als angehender Pfarrer würde mich natürlich interessieren, wie man dieses (Tabu-)Thema auf angemessene Weise – d.h. eben nicht »moralistisch«, sondern »seelsorglich« – in eine Gemeinde einbringen kann. Habt ihr da Ideen?!

     

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