Schaffütterung

31. August 2007

Meine freitäglichen Griechisch-Übersetzungs-Treffen sind eigentlich nix anderes als ein Teil der Examensvorbereitung. Um so mehr freue ich mich, wenn ich trotzdem (oder gerade deswegen?) persönliche Entdeckungen machen darf.

Markus 6,30-44 – die »Speisung der Fünftausend«. Hundertmal gehört, tausendmal überhört. Aber da ist eine Formulierung, die ich schon immer merkwürdig fand: In Markus 6,39 fordert Jesus die Menschen dazu auf, sich »auf das grüne Gras« zu setzen. Was für ein unnötiges Detail, dachte ich immer. Wo die Typen sich niederlassen, ist doch völlig egal – sie haben Hunger!

Eben. »Gras« heißt im Griechischen »chortos« – und steht dort für nix anderes als Tierfutter. Wahlweise könnte man also auch mit »Heu« übersetzen. Genau dieselbe Wendung taucht in Markus 6,42 nochmal auf: »… und sie … wurden satt« (auf Griechisch: »exortasthesan«). Wörtlich heißt das »weiden«, »gefüttert werden«. Wieder ein Begriff aus der Tierhaltung.

…das alles passt hervorragend zu Jesu Bemerkung vom Anfang. Markus 6,34: »Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.« Wow!

Man könnte sich ja ärgern über diese penetrante Schaf-Metaphorik. Warum sind wir Menschen keine Löwen – oder zumindest (etwas neutraler) Kühe oder so?! Stattdessen ein Geschöpf, zu dem es in »Brehms Tierleben« heißt: »Seine Furchtsamkeit ist lächerlich, seine Feigheit erbärmlich. Jedes unbekannte Geräusch macht die Herde stutzig, Blitz und Donner und Sturm und Unwetter überhaupt bringen sie gänzlich aus der Fassung.«

…aber da ist was dran, finde ich. Fühle mich oft genug wie ein furchtsames Schaf. Und bin dankbar, dass ich in Jesus einen Hirten habe. Der mich auch satt macht.

 

Ein Kommentar zu “Schaffütterung”

  1. martin meint:

    … a propos schafe: neulich bin ich bei einem walk-through (spaziergang klingt so altmodisch und nach altem opa) durch die auenlandschaft pegnitzufer, wo einst die vogelgrippe aus der wiege gehoben wurde, auf eine herde schafe gestoßen, die lediglich methan statt co2 produzieren. naja – aber: irgendwie ist mir aufgefallen, dass die doch menschlich sind. jedenfalls hören sie sich an, als wenn sie irgendwas im hals hätten oder versuchen würden, etwas hochzuwürgen. – wie unsere älteren mitbürger, von denen es in nürnberg seeeeehr viele gibt.

Deine Meinung?!