Ruderboot-Perspektive

20. März 2009

Vor knapp einem Jahr hat Helge darüber berichtet…und immer noch geht mir die Sache im Kopf herum. Nachdem er die Sache jetzt auch in einem ichthys-Artikel kurz erwähnt (die nächste Ausgabe erscheint Mitte April!), muss ich endlich mal darüber schreiben…

Ein Ereignis, das »vor drei Tagen« stattgefunden hat (da kommen wir im Deutschen gerade noch mit!), liegt nach hebräisch-israelischem Verständnis nicht etwa »hinter« einem, sondern konsequenterweise »vor« einem. Oder – ich zitiere aus Helges noch unveröffentlichtem Artikel –: »Erst der moderne Israeli kann sagen: "Ein Glück, die Prüfung liegt hinter mir."« Und missversteht eventuell seinen traditionell eingestellten und redenden Kollegen, der die Prüfung »vor« sich hat. Dementsprechend ist das jüdische Pessach-Fest nicht etwa eine »Vergegenwärtigung« alter Ereignisse. Vielmehr wird die Gegenwart in die präsente Geschichte Gottes mit seinem Volk integriert!

Mir kommt ein Ruderboot in den Kopf: Auch da hat man das Ziel ja im Rücken – und weder im Griff noch im Blick. Wie das Leben halt. Aber woher man kommt, das weiß man – und daran richtet man auch seine Route aus.

Früher hatte ich immer ein eigenartig leeres Gefühl, wenn ich vehement dazu aufgefordert wurde, »doch« »daran zu denken«, »was Gott Großes getan hat«. Immer noch würde ich sagen: Christlicher Glaube ist auch ständig auf neue Erfahrungen angewiesen – auch im Ruderboot wird das Vergangene ja immer kleiner und undeutlicher. Aber das Entscheidende liegt ja tatsächlich in der Vergangenheit – und ist dadurch nicht weniger wert: Gott hat geredet, er ist Mensch geworden, er ist an einem Kreuz gestorben und ist auferstanden. Wenn wir das im Blick behalten, wird es wesentlich erträglicher, sich der Zukunft nur rückwärts nähern zu können.

Ohne jetzt Thorleif Bomans viel geschmähten Vergleich zwischen hebräischem und griechischem Denken aus der Mottenkiste holen zu wollen: Wieder mal sieht man, dass unser gesamtes Denken kulturell geprägt ist. Und selbst diese wichtige Erkenntnis wird uns nicht vollkommen umpolen.

Dieser Beitrag wurde auch bei »PastorBuddy« veröffentlicht.

 

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