Reichhaltig

22. Oktober 2014

Letzte Woche war ich bei den »FEA-Tagen« – besonderen Einkehrtagen für Pfarrerinnen und Pfarrer am Berufsbeginn – im Kloster Volkenroda. Einige Tage Auszeit, Innehalten, Stille. Auch hier im Blog.

So manchen Anstoß und Arbeitsauftrag bringe ich mit. Neue Bücher von Brian McLaren. Und die eindrückliche Erfahrung eines mehrteiligen kollegial-zweckfreien Bibelgesprächs zum Jonabuch. Kaum zu fassen, was diese (vermeintlich) altbekannte Geschichte zu bieten hat(te) … Sieben Details:

  • Gleich zweimal handeln Menschen auf die vorsichtige Hoffnung eines »Vielleicht« hin: »Ob vielleicht dieser Gott an uns gedenken will, dass wir nicht verderben« (Jona 1,6b) – »Wer weiß?! Vielleicht lässt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben« (Jona 3,9). Und in beiden Fällen entfaltet das »Vielleicht« seine volle Kraft.
  • Im Fisch-Bauch ist Jona bedroht und bewahrt zugleich. Seine Rettung hinterlässt bleibende Spuren – und das darf man sich ganz plastisch vorstellen, nachdem Jona »ausgekotzt« wieder an Land liegt (vgl. Jona 2,11b)
  • Jona erfährt am eigenen Leib, dass Gott auch endgültig verschlossene Türen öffnet: »[D]er Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!« (Jona 2,7b). Aber dann schließt er diese Möglichkeit im Blick auf die Menschen von Ninive von vornherein aus …
  • Drei Tagesreisen groß ist Ninive (vgl. Jona 3,3b). Schon nach einer Tagesreise fängt Jona an zu predigen (vgl. Jona 3,4a). Und dass es »noch vierzig Tage [sind], so wird Ninive untergehen« (Jona 3,4b) – hat ihm das Gott gesagt (vgl. Jona 3,2)? Oder war das womöglich seine eigene (Wunsch-)Vorstellung?! Schließlich setzt er sich ja auch nach Gottes Vergebung für Ninive noch (genüsslich?) »in den Schatten, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde« (Jona 4,5b)
  • »[D]enn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen« (Jona 4,2b) – was für Mose freudig-überwältigend war (vgl. Exodus 34,6f.), ist für Jona schlicht frustrierend. Und auch der existenziell-suizidale Ausspruch Elias aus 1. Könige 19,4 wirkt bei ihm ein wenig … überzogen: »So nimm nun, Herr, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben.« (Jona 4,3)
  • Jonas Stimmungsschwankungen gleichen denen eines Kleinkinds. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – binnen Stunden wird die Launen-Amplitude mehrmals ganz ausgereizt. Im Wesentlichen wegen des Zustands einer Staude (vgl. Jona 4,1-9).
  • Die Menschen in Ninive wissen nicht, »was rechts oder links ist«, sagt Gott am Schluss (Jona 4,11). Aber trifft dieser Vorwurf nicht in Wahrheit seinen jammernden Propheten?
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    4 Kommentare zu “Reichhaltig”

    1. Steffen meint:

      Schön, dass du eine so gute und reichhaltige Zeit in Thüringen verbringen konntest.

    2. Daniel meint:

      … und dazu noch in Löwenstein, am Wochenende danach! :-)

    3. Steffen meint:

      Die schönsten Orte Deutschlands in nur zwei Wochen!
      Pfarrer müsste man sein ☺

    4. Thüringer Jung meint:

      Unser Thüringen ist wunderschön! Schön das es dir gefallen hat :)

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