Radikal-Liturg

22. Februar 2011

Gar nicht so schlecht, im Gottesdienst auch mal auf die Knie zu gehen.

Mehr feste Formulierungen schaffen Vertrautheit.

Das mit dem Weihrauch kann schon Sinn machen.

…alles Einsichten, die ich als Protestant im Lauf der Jahre mühsam erringen musste (mit der Entdeckung des Kreuzzeichens hat es vielleicht angefangen).

Und dann? Stoße ich auf Martin Mosebach. Der bezeichnet die gesamte katholische Liturgie unserer Zeit kurzer Hand als »Häresie der Formlosigkeit« – und verlangt eine Rücknahme des Zweiten Vatikanischen Konzils… Denn:

1965 schaffte der Vatikan die traditionelle lateinische Messe ab. Das Bestreben, die große Tradition der neuen Zeit anzupassen, bewirkte einen Riß, der bis heute nicht verheilt ist.

Den Eindruck habe ich auch… Und frage mich, wann der Schock verheilt.

 

4 Kommentare zu “Radikal-Liturg”

  1. Maria meint:

    wozu Weihrauch, wenn man einfach die Bibel auslegen kann? dieses ganze visuelle lenkt ab von dem, was wirklich wichtig ist: die schrift. aber auslegungspredigten findet man ja nur noch vereinzelt. dieses ganze emotionale wohlfühl-getue im gottesdienst ohne verkündigung des wahren evangeliums und der buße ist einfach widerlich. ich denke mir manchmal, luther würde sich im grabe umdrehen, wenn er sieht, was aus der kirche hier geworden ist…

  2. Daniel meint:

    In so manchem »lutherischen« Predigtgottesdienst würde Luther gehörig was vermissen, glaube ich… Wobei es eh nicht klappt, seine heutige Meinung pauschal vorherzusagen. Dafür sind die Zeiten zu unterschiedlich.

    Ich kann nachvollziehen, was dich an »Wohlfühl-Gottesdiensten« stört (glaube ich). Aber ich habe eben auch viele Gottesdienste erlebt, in denen man sich definitiv nicht wohlfühlt. Und ob es das einem leichter macht, ist die Frage… Oder?!

  3. birgit meint:

    Der Herr Mosebach ist aber halt schon ein elitärer Sack.
    Es geht ja m.E. nicht um wabernde-schauernde Unverständlichkeit im Gottesdienst, sondern um eine Verständlichkeit höherer Ordnung – nenne ichs jetzt mal.
    Wörter gehen allermeistens in den Kopf. Und unsere Köpfe benutzen wir ja dauernd und eher viel zu viel. (Von den Predigten, die über die Köpfe hinweg gehen, rede ich jetzt noch nicht mal!)
    Glaube, Gott, das Heilige haben aber ganz viel mit dem Herzen zu tun. Deshalb müssen wir unsere Gottesdienste so gestalten, dass unsere Herzen berührt werden. Da können Gesten, Weihrauch, Musik, poetische Sprache eben gerade nicht ablenken, sondern hinlenken.
    Ein oft immer noch üblicher Predigtgottesdienst dagegen, bei dem ich schon in der Begrüßung zugetextet werde, beim Gebet keinen Raum für mein eigenes Beten habe etc.p.p. – der erfüllt einfach seine Aufgabe nicht: einen Raum zu eröffnen, damit Menschen mit Gott evtl. in Berührung kommen können.

  4. Iwe meint:

    @Birgit: vielen Dank für den Beitrag, der mir sehr aus dem Herzen spricht. Mir wird immer unwohl, wenn Wort, Gesten, Musik etc. gegeneinander ausgespielt werden. Meiner Meinung kommt es auf die richtige Balance an und ob die Gesamtaussage dadurch unterstützt wird oder nicht. Das Bild, vom Raum, der eröffnet wird, finde ich sehr anschaulich.

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