Pro PROKON

30. Dezember 2013

Die Sache ist ebenso knifflig wie kompliziert. Diesen Blog-Eintrag habe ich lange vor mir hergeschoben. Aber jetzt wird es höchste Zeit.

Glaubt man aktuellen Medienberichten aller Art, dann hat die PROKON Unternehmensgruppe – unter anderem Anbieter so genannter Genussrechte im Bereich Erneuerbarer Energien auch für Klein- und Kleinst-Anleger – ihr Kapital mit Hilfe eines »Schneeballsystems« eingeworben und steht jetzt auf Grund von »Riesenverlusten« kurz vor der Insolvenz.

Na, wenn das alle schreiben, wird’s schon stimmen. Oder nicht? Ich habe zum wiederholten Mal kräftig recherchiert – und finde die Gegendarstellung nach wie vor überzeugender.

An eine gezielt angezettelte Verschwörung etwa durch die Axel Springer AG glaube ich nicht. Die Alternative wäre aber nicht viel besser. Die würde nämlich lauten: Den beteiligten Journalist(inn)en fehlen Wille, Fähigkeit und/oder Geduld, sich in eine völlig neue Wirtschafts-Philosophie hineinzudenken. In ein innovatives Unternehmen, das sein Kapital bewusst nicht den Banken überlässt, auf klassische Managergehälter verzichtet (Firmenchef Carsten Rodbertus verdient 150.000 Euro im Jahr, während Daimler-Boss Dieter Zetsche »auch mit fünf Millionen gut leben« könnte), durch und durch ökologisch-nachhaltig denkt. Und das übrigens schon seit zig Jahren, in denen wiederholt der Niedergang herbeigeschrieben wurde, während es in Wahrheit Banken erwischt hat …

Vorläufiges Fazit: Wir bleiben PROKON-Anleger, wenn auch auf geringem Niveau. Und hoffen, dass genügend andere mit durchhalten. Oder neu einsteigen.

 

6 Kommentare zu “Pro PROKON”

  1. Karsten meint:

    Natürlich muss eine bilanzielle Darstellung von der internen Ergebnisrechnung abweichen. Nur wenn man allzu irre kommuniziert und vom Standardformat abweicht und Bauernweisheiten ergänzt, schadet man der Glaubwürdigkeit. Prokon hat ein Modell, das es sonst so nicht gibt, und etwas um die Ecke ins Auge geschossen ist. Bei etwas Graderem wie einer Genossenschaft hätte sich keiner Gedanken gemacht. Wozu muss eine Firma bei der Finanzierung so experimentieren?

  2. Daniel meint:

    Stimmt, das ist eine berechtigte Rückfrage. Vermutlich stehen dahinter Vorbehalte auch gegenüber dem klassischen Genossenschafts-System?!

  3. Fnord meint:

    Die Unternehmenskommunikation bei Prokon ist in meinen Augen eine Katastrophe.

    Auf der einen Seite verkündet man stolz, für Presseanfragen nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Auf der anderen Seite reagiert man eben doch – und bedient sich in seinen Reaktionen beinahe lehrbuchhaft der eristischen Dialektik – wobei man in grossen Teilen überhaupt nicht adäquat auf sachliche Kritik/Fragen eingeht.

    Den Tenor nicht weniger Veröffentlichungen kann ich im übrigen nur als offen zur Schau gestellte Paranoia bezeichnen – wie ich sie von einem seriösen Unternehmen noch nicht erlebt habe (zumindest von keinem, dass Milliarden einsammeln will). Beispiel hier:

    http://www.prokon.net/prokon-transparent/prokon-in-den-medien/artikel/prokon-offener-brief-an-lars-marten-nagel.php

    Ich kann ehrlich gesagt weitgehend nicht nachvollziehen, was insbesondere an der Gegendarstellung “überzeugend” sein soll. Die Prognosen habe ich mich mal überflogen (es ist schon spät) – zumindest als “gewagt” und irgendwo nicht ganz nachvollziehbar möchte ich sie bezeichnen – von einer “sicheren” Anlage würde ich da nicht sprechen.

    Was das Gehalt von Firmenchef Rodbertus betrifft, so zündest du hier selbst eine ablenkende Nebelkerze. Nach eigener Information der Prokon zahlt sich der “Besitzer dieses milliardenschweren Unternehmens ein Gehalt von 150.000 € pro Jahr”. Als Macianer weisst du vielleicht, dass Steve Jobs “sich” jahrelang bei Apple ein Jahresgehalt von einem Dollar “gezahlt hat”.

    Der Verzicht auf ein üppiges “Managergehalt” mag da auf dem Papier stimmen – wieviel Rodbertus dann allerdings tatsächlich “aus dem Laden rauszieht”, das steht auf einem völlig anderen Blatt.

    Das Wörtchen “Unternehmensgruppe” dürfte die Fantasie da schon genug anregen. Gerade bei Prokon war dies ja auch in der Vergangenheit auch schon Gegenstand berechtigter Kritik. “Eine” Prokon entwickelt(e) und baut(e) Windparks, um sie dann an eine “andere” Prokon (eben die Genussrechtsgesellschaft) zu veräussern. Um zu beurteilen, was da alles abläuft fehlt (nicht nur) mir natürlich der Überblick.

    Die TAZ – die grundsätzlich nicht im Verdacht stehen dürfte, eine verschwörerische Einheitsfront mit der Springerpresse einzugehen – und auch vor der Prokon warnte, berichtete da 2010 übrigens von (nur noch) “44 Firmen” von “einst über 89 Prokon-Gesellschaften”. Das ist nicht per se unseriös – aber zumindest einigermassen undurchsichtig, zumal wohl unter Betrachtung der Bilanzierung.

    Was das “schon seit zig Jahren, in denen wiederholt der Niedergang herbeigeschrieben wurde” betrifft, so weiss ich, dass dir das Konzept exponentiellen Wachstums vertraut ist. Gilt insbesondere auch für Schneeballsysteme – solange, bis es knallt.

    Die auf der Unternehmensseite gepostete “hypothetische Zukunftsprognose” geht übrigens selbst für den (hypothetischen!) Fall, dass nur noch (in den nächsten 2 Jahren) kurz vor der Realisierung stehende Projekte gebaut werden von einer Verdoppelung sowohl der installierten Leistung als auch des Umsatzes aus. Und schon “nur” dafür wird von einem steigenden Kapitalbedarf an diesen Genussrechten ausgegangen.

    Aber wie gesagt… das ist ein “hypothetischer” Minimalfall. Man fragt sich nur, was passiert, wenn die Prokon-Macher deutlich “höher hinaus wollen”? Naja, letztlich hängt alles von der operativen Rentabilität ab. Da läuft Prokon aber den eigenen Erwartungen eher hinterher.

  4. Daniel meint:

    Danke für die Denkanstöße!

    Dass die PROKON Unternehmensgruppe in zwiespältiger Weise besonders daherkommt, sehe ich auch so. Das gilt insbesondere für den Umgang mit den Medien. Und wie gesagt, das mit der Verschwörungstheorie scheint mir etwas weit hergeholt.

    Letztlich wird man einfach nur abwarten können. Was uns halt relativ leicht fällt, weil wir diese Anlage von vornherein als privates Wirtschafts-Experiment betrachtet haben, und nicht als Altersvorsorge oder so …

  5. Martin meint:

    Nun, Prokon ist nicht das gelbe vom Ei. Es gibt wesentlich bessere Möglichkeiten, mit Renewables Geld zu verdienen.
    Im RAF-Deutschland der Gegenwart investiert man leider nur dort, wo man schnell Geld verdienen kann: Photovoltaik. Völlig bescheuert, Anlagen zu bauen, die aufgrund der Exposition der BRD nicht sehr gut ausgelastet sein können. Aber der Rubel rollt ja so schön. Es gibt Möglichkeiten, als direkter Inhaber, in Südeuropa Geld mit Solaranlagen zu verdienen. Prokon ist als Vermittler das eigentliche Problem. Irgendeiner ist immer der erste der Erfolg oder keinen Erfolg mit einer Investition hat.

  6. Daniel meint:

    Hmm, aber Photovoltaik ist doch so ziemlich das einzige EE-Produkt, in das Proton nicht investiert … ;-)

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