Prediger-Vorbild tot

15. Februar 2010

Kaum ist man raus aus dem akademischen Betrieb, ist an informationstechnisch hinterher. Erst jetzt habe ich erfahren: Am 1. Februar ist Rudolf Bohren gestorben. Christian Möller hat für die Heidelberger Theologische Fakultät einen Nachruf verfasst.

In ein paar Wochen sollte eigentlich ein Symposion zu seinem 90. Geburtstag stattfinden. Der Ökumenische Verein zur Förderung der Predigt e.V. hatte in der Einladung passenderweise folgendermaßen formuliert:

Rudolf Bohren wird, so Gott will, am 22. März 2010 seinen 90. Geburtstag feiern.

Für mich ein Moment zum Innehalten. Eben habe ich wieder in Bohrens »Predigtlehre« geschmökert. Schon die ersten Sätze packen mich:

Vier Dinge tue ich leidenschaftlich gern: das Aquarellmalen, das Skilaufen, das Bäumefällen und das Predigen. Eine Leidenschaft empfindet man als schön, beglückend, sie eröffnet Seligkeit: ein weißes Blatt, ein Pinsel und Farben, Farben vor allem, eine neue Welt entsteht, und man ist dabei. – Ein Steilhang, Pulverschnee. Von den Brettern getragen scheint man die Schwerkraft zu verlieren, man fährt und fährt, Herr über Raum und Zeit, frei von aller Erde und doch mitten drin, stiebend im Schnee. – Ein stolzer Baum, Widerstand leistend, ein kleiner Schlachtplan wird erforderlich, ihn anzugehen, List und dann vor allem Zähigkeit; denn der Bursche kann sich wehren, es wird Augenblicke geben, wo er unbesieglich scheint, bis sein Stolz krachend niedergeht. – Das Malen, Skilaufen, Bäumefällen meine Leidenschaft – auch das Predigen.

Live bin ich Rudolf Bohren übrigens nie begegnet. Aber im Dezember 2004 habe ich einen Freund eine Heidelberger Gastvorlesung von ihm mitschneiden lassen. Auch das ein Erlebnis, trotz mäßiger Bild- und Tonqualität.

 

Ein Kommentar zu “Prediger-Vorbild tot”

  1. Tobi meint:

    Oh, dann hab ich dir was voraus: Ich habe ihn mal “live” erlebt, als er in einer VL die Vertretung von Prof. Möller übernommen hat.

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