Pfingstliche Panik

24. Mai 2012

Sich sprachlich nicht verstehen … Diese Erfahrung mache ich in der Stuttgarter U-Bahn, wo Menschen Französisch, Chinesisch, Russisch, Arabisch oder Finnisch sprechen. Diese Erfahrung mache ich aber auch in manch hiesiger Seniorenrunde, wenn ich die schwäbischen Spezialbegriffe zwar inhaltlich einordnen kann, aber nicht in ihrer exakten Bedeutungsnuance. Und diese Erfahrung mache ich beim Männer-Friseur gegenüber, wo ich einfach nicht dieselben Interessen und Gesprächsthemen habe … In unserer Sprache bleiben wir immer ein Stückweit einsam.

Im Pfingstwunder nach Apostelgeschichte 2 werden die menschlichen Sprachbarrieren für einen Moment aufgehoben: Was die Jünger Jesu da »in anderen Sprachen« predigen, wird von allen Anwesenden in ihrer »eigene[n] Muttersprache« verstanden.

Erstmals aufgefallen sind mir jetzt die unmittelbaren Reaktionen auf dieses Erlebnis: Keine Spur von überschwänglicher Freude über die neu gewonnene Verständigung! Stattdessen: Unverständnis. Bestürzung. Geradezu Panik:

… kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn einer jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzen sich aber … (Apostelgeschichte 2,6b.7a)

Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? (Apostelgeschichte 2,12)

An manche sprachlichen Grenzen haben wir uns vielleicht gewöhnt. Und sich mit Fremden zu verstehen, ist ja nicht unbedingt bequem. Womöglich werden wir da heraus-gefordert aus unserem eigenen engen Horizont. »Was will das werden?« Auch in dieser Hinsicht hat der Heilige Geist wohl noch was zu tun …

 

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