Perspektiv-Frage

21. Mai 2014

Ist der Neokatechumenale Weg – eine der mächtigsten geistlichen Bewegungen des Katholizismus« – im Kern einengend-gefährlich (so Raoul Löbbert) in einem »Christ und Welt«-Artikel vor einigen Wochen) oder befreiend positiv (so Ansgar Puff, »Weg«-Angehöriger und Kölner Weihbischof, in einem flankierenden Interview)?

Schwer zu sagen, finde ich – als jemand, der noch nie zuvor von der Erneuerungsbewegung gehört hatte. Und vermute: Es ist wie mit manch protestantischer Parallele (zum Beispiel pfingstlich-charismatischer Couleur): Heikle Extreme finden sich fast überall. Aber muss man unbedingt diese Perspektive einnehmen? Und was spricht dagegen, sich erst mal von Puffs Perspektiven inspirieren zu lassen, gerade als evangelischer Christ?

Die Absage an das Böse und die Abkehr zu den Dingen, die sich als Gott aufplustern, gehört zu jeder Taufe. Sie bleibt aber meist eine Theorie. Auf dem Weg wird die Absage an das, was mein Vertrauen zu Gott behindert, existenziell; man lernt sich auch immer besser selbst kennen. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass ich geizig bin, als ich Geld verschenkt habe. Die Kernfrage ist: Wem vertraue ich? Dem Geld oder dem lebendigen Gott? Wann bekomme ich einen Schreck: wenn ich die Scheckkarte verloren habe oder wenn ich meinen Kontakt zu Gott verloren habe?

Der Neokatechumenale Weg ist eine von der Kirche anerkannte Möglichkeit [bezeichnet], bei der Gutes herauskommt. Wir stehen meiner Meinung nach in der Kirche vor einem Systemwechsel: Unsere Ressource sind nicht mehr die bezahlten Hauptamtlichen, sondern die Getauften. Aber wo lernt man das Getauftsein?

[Christ ist] [j]emand, der eine persönliche Beziehung zu Christus hat, der den Glauben der Kirche teilt und diesen Glauben weitergeben kann. Wir haben in der Kirche Deutschland viel Geld, viel Institution, aber wenig Glauben.

 

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